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Juni 2017
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Faust
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Premiere "Faust" – Oper von Charles Gounod

Veröffentlicht am Samstag, 10. Mrz 2012

Das Anhaltische Theater zeigt „Faust“ auf der großen Bühne als das, was es ist: als eine mit allen Mitteln des Theaters und für alle Sinne geschaffene Oper über die Liebe. Dass dabei die typische Lust am Morbiden der französischen Romantik nicht zu kurz kommt, versteht sich. Die Oper „Faust“ von Charles Gounod gilt neben „Carmen“ und „Hoffmanns Erzählungen“ als Inbegriff der großen romantischen Oper aus Frankreich. Der in Deutschland unvermeidliche Vergleich mit Goethes „Faust“ ist zwar naheliegend, führt aber in die Irre. Denn Metaphysik war nicht die Sache Gounods. Er nutze die Faust-Geschichte so, wie sie seit dem Mittelalter beliebt war – als kontrastreiches, anrührendes Volkstheater. Er schrieb seinen „Faust“ nicht zufällig nach einem Boulevardstück, das als „Faust et Marguerite“ vor allem eine große Liebesgeschichte in fantastischem Gewand sein wollte – daran ändern auch die Goethe-Zitate nichts.

Die Liebe zwischen dem vom ennui geplagten Wissenschaftler und der zunächst naiven jungen Frau ist durch die Intrigen Mephistos zum Scheitern verurteilt. Faust lässt sich allzu gern verführen, um selbst wieder verführen zu können. Dabei erkennt er zu spät, dass er mehr für Margarete empfindet, als ihm und vor allem Mephisto vorschwebte. Und Marguerite? Sie ist zunächst das Idealbild einer Frau des 19. Jahrhunderts: zerbrechlich, preziös, passiv. Doch Regisseur Hinrich Horstkotte beobachtet, dass „Margarete in der Oper nicht nur das Opfer der Intrigen Mephistos und der Lust Faustens ist. Sie gewinnt in der Bekanntschaft mit Faust zunehmend Selbstbewusstsein – besonders durch die Vertonung Gounods. Und dieses Selbstbewusstsein stellt sie auf Augenhöhe mit Faust.“ Sie wird zwar von Mephisto in den Wahnsinn getrieben, doch ist Margarete die einzige Figur der Fabel, die die Kraft gewinnt, dem Bösen zu widerstehen. Dafür schickt sie ihr Komponist mit Aplomb in den Himmel.

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