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Land braucht Stadt
Land braucht Stadt

Mehr Stärken als Schwächen

Veröffentlicht am Montag, 29. November 2010

Beteiligung der Akteure, einen transparenten Prozess, eine saubere Analyse von Stärken und Schwächen und die klare Definition von Schwerpunkten sind zentrale Erwartungen von Kulturakteuren an einen neuen Kulturentwicklungsplan für Dessau-Roßlau. Dies ist das Ergebnis eines dreitägigen Workshops, den die Initiative "Land braucht Stadt" in Kooperation mit dem Potsdamer Kulturwissenschaftler Patrick S. Föhl am Wochenende veranstaltet hat. Unterstützt von zwei Studierenden der Hochschule Anhalt wurden mit sechs sehr unterschiedlichen Kulturakteuren Interviews geführt, ausgewertet und zu einer Vorstudie verdichtet. Der erste Entwurf eines Masterplans war nach massiven und von "Land braucht Stadt" unterstützten Protesten in den Ausschüssen durchgefallen. Unter anderem gab die mangelnde Beteiligung von Akteuren Anlass zur Kritik.

Gefragt in den Interviews wurde unter anderem nach Stärken des aktuellen Kulturangebots. Hier ergaben sich zwei konträre Sichtweisen: lobten die einen die so genannten Leuchttürme und großen Events (Anhaltisches Theater, Bauhaus, Kurt-Weill-Fest, Farbfest), priesen andere die Vielfalt der kulturellen Szene. Von beiden Gruppen wurden allerdings bestimmte Sektoren völlig ausgeblendet: freie Jugendkultur, niedrig schwellige Festkultur oder die Hochschule liegen außerhalb ihrer Wahrnehmung. Auch werden demographische Entwicklungen bislang ebenso vernachlässigt wie die Tatsache weitgehend ignoriert, dass den "klassischen Kulturbürger, der ins Theater geht, nicht mehr gibt", so Föhl bei der Präsentation der Workshop-Ergebnisse. Es werde immer schwieriger, das fragmentierte Publikum zu erreichen.

Als eklatanteste Schwäche wurde in allen Experteninterviews die fehlende Koordination bei den Angeboten genannt. Interessanter Weise (vor dem Hintergrund der positiven Aspekte) wurde die Konzentration auf die Leuchttürme regelmäßig als Schwäche interpretiert. Klagen gab es zudem über mangelnde Schwerpunktsetzung, personelle und finanzielle Ausstattung sowie eine Diskussion, die sich mehr am Geld denn an den Inhalten festmacht.

Eine weitere Frage galt der regionalen und überregionalen Vermarktung, die durchgängig als schwach beurteilt wurde. So fehle es an einer Strategie, Kultur, Tourismus und Marketing würden in Dessau-Roßlau nicht miteinander verknüpft, es fehle Geld und – ein Mal mehr – Koordination.

Relativ ernüchternd fielen die Auskünfte zu Kooperationen aus. Diese seien in Ansätzen vorhanden und bezögen sich vor allem auf Schulen und Bildungsträger. Hier wurde mehrfach die Stadtverwaltung in die Pflicht genommen: sie solle Kooperationen organisieren.

Im Zwischenfazit kommt der Workshop zum Ergebnis, dass die Akteure sowohl nach innen als nach außen blickten, sie hätten sowohl kulturelle Bildung als auch Kulturtourismus im Auge. Insgesamt, so das Fazit nach drei Tagen, seien mehr Stärken als Schwächen wahrgenommen worden. Aber, dies strich Föhl heraus, es gebe unter den Akteuren den Wunsch nach einer Kulturentwicklungsplan. Ob diese aufzubauen externe Hilfe voraussetzt, ließ er offen, machte indes deutlich, dass die Arbeit an einem solchen Konzept erhebliche Ressourcen erfordere.

Der Workshop sei ein Angebot der Initiative, verdeutlichte für diese, dass der Workshop ein Angebot darstelle, nun sei es an Verwaltung und Politik, mit den Erkenntnissen umzugehen und Entscheidungen zu treffen.

Hintergrund: Die Initiative "Land braucht Stadt – Ja zu Dessau-Roßlau" wurde im Februar dieses Jahres angesichts massiver Kürzungspläne in den Bereichen Kultur, Sport und Jugend gebildet. In nur sechs Wochen sammelte sie über 14000 Unterschriften für ihre Forderungen, zu deren Kernpunkten ein Dialog zwischen Bürgern und Politik gehört. Mehr Infos über "Land braucht Stadt" auf http://land-braucht-stadt.de

Dr. Patrick S. Föhl, ist Leiter der Forschungsgruppe "Regional Governance im Kulturbereich" an der Fachhochschule Potsdam und freier Kulturberater im "Netzwerk für Kulturberatung". Unter seiner Mitwirkung entstanden bereits mehrere kommunale Kulturentwicklungspläne. Mehr Infos unter http://regional-governance-kultur.de/

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