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Kritikerlegenden Serge Pocken und Piet Rutten
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Trash am Montag: "TROLL 2"

Veröffentlicht am Freitag, 20. April 2012

Am 23. April um 20.30 Uhr zelebrieren die Theaterkritiker Rutten und Pocken einen neuen Trash am Montag im K.I.E.Z Kino und zeigen Claudio Fragassos „TROLL 2“. In Italien nennt man das wohl eine "Parabel", glaubt man Claudio Fragasso, dem Regisseur von „TROLL 2“, der wohl gequirltesten Scheiße, die das Horrorfilmgenre in immerhin knapp 115 Jahren Filmschaffen verzapft hat. Und wahrlich, die CDU/CSU hätte ihre helle Freude an einem Film, der den Zusammenhalt der Familie als bestmögliche Grundvoraussetzung nennt, mit jedem noch so penetranten Bösen fertig zu werden.

Das Böse in diesem Fall nennt sich Creedence Leonore Gielgud, die in Nilbog, einem gottverlassenen Kaff im mittleren Westen der USA, den Zauberstein von Stonehenge anbetend, gemeinsam mit ihren missgestalteten "Kindern" ihren extrem eigentümlichen Krieg gegen die Fleischindustrie der westlichen Welt anzettelt. Creedence (in wunderschönstem Faschingsornat mit erschütternder Gruselschminke) ist nämlich Vegetarierin der militantesten Sorte. Im Gegensatz zu Familie Waits, dem Heldenclan, der nichtsahnend in Nilbog seine Ferien verbringen möchte. Und Nilbog ist nicht nur ein Palindrom (oha!), sondern obendrein bevölkert von - nun ja, keine Ahnung… Sind es Gnome? Kobolde? Anti-Hobbits? Zumindest sind es keine Trolle, auch wenn der Titel das versprechen mag, so viel steht fest. Das Wort „Troll“ wird im Film zumindest mit keinem Wort erwähnt, ein Widerspruch, den im Übrigen nur diejenigen bekritteln, die den Film, so der Regisseur, ohnehin nicht verstanden haben.

Und was genau gäbe es da auch zu verstehen? Die Tatsache, dass Grandpa Seth gefühlte fünf Dutzend Mal den Tag rettet, obwohl er schon seit sechs Monaten tot ist? Oder Creedences Inneneinrichtung, bestehend aus Dornröschenbett, Hexenkochtopf und einer Kettensäge? Oder die literweise zum Einsatz kommende giftig grüne Lebensmittelfarbe, die nicht nur benutzt wird um Süßspeisen zu dekorieren, sondern obendrein aus so gut wie jedem Haaransatz zu troffen hat? Rutten und Pocken wissen es nicht. Was sie wissen: Es gibt hunderte von Filmen, die in irgendeiner Disziplin enttäuscht hätten, sei es Regie, seien es die Darsteller, die Kamera, die Musik, die Maske - aber es gibt nur einen Film, der es geschafft hat, rein gar nichts auf die Reihe zu bekommen: “TROLL 2“. Oder wie ein britischer Filmkritiker es sehr treffend auf den Punkt gebracht hat: "Das Tragische an diesem Film ist nicht, dass er so schlecht ist. Das Tragische ist, dass die Verantwortlichen durchaus das nötige Know-how besaßen, aber während der Dreharbeiten offensichtlich einer Hirnschädigung unterlagen."

Eine Einschätzung, die Rutten und Pocken zwar nachvollziehen können, die sie aber selbst so niemals unterschreiben würden. Rutten zumindest lacht viel. Pocken echauffiert sich. Und selbst Italo-Spacken Fragasso zeigt einen Moment der späten Einsicht, wenn er im Interview bemerkt: "Solange ich Emotionen beim Publikum hervorrufe, bin ich zufrieden. Und wissen Sie, den schlechtesten Film aller Zeiten gemacht zu haben, ist mindestens genauso gut, wie den besten Film aller Zeiten gemacht zu haben." Hörthört! Für reichlich Hackfleisch ist gesorgt am 23. April um 20.30 Uhr in den heiligen Hallen der Kiez-Kinemathek zu Dessau.

Foto: David Ortmann

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