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Anhaltische Philharmonie; Foto: Veranstalter
Anhaltische Philharmonie; Foto: Veranstalter

Kurt-Weill-Fest: "Die Verheißung"

Veröffentlicht am Montag, 25. Februar 2013

Es ist eine der berühmtesten Fotografien von Lotte Lenya und Kurt Weill: An Bord der S.S. Majestic verlassen die beiden von Cherbourg aus Frankreich und erreichen am 10. September 1935 New York. Grund der Reise ist die geplante Produktion von „Der Weg der Verheißung“ in der englischen Fassung „The Eternal Road“. Eine Neufassung der Komposition feiert am Donnerstag im Anhaltischen Theater ihre Europapremiere.

Auf Anregung des amerikanischen Theatermanagers Meyer Wolf Weisgal bringt Max Reinhardt, Regisseur und Mitbegründer der Salzburger Festspiele, den Dichter Franz Werfel und den Komponisten Kurt Weill zusammen, um ein religiöses Massenspiel zu schaffen, das die Geschichte des jüdischen Volkes darstellt. Kurt Weill befindet sich in Paris, als ihn im Winter 1933 die Anfrage von Max Reinhardt erreicht, bereits 1935 vollendet Werfel das Libretto und Weill die Partitur. Am 23. Dezember 1935 soll die Uraufführung in New York stattfinden – in Anbetracht des gigantischen Werks ein kreativer und operativer Marathon sondergleichen: Die Spieldauer wird mit drei bis sechs Stunden angegeben, über 200 Akteure sind mit Text und Musik zu versorgen. Weill berichtet später, er habe sich an die Melodien seiner Kindheit zu erinnern versucht, die ihm sein Vater, der jüdische Kantor in Dessau, beigebracht habe – immerhin 200 Melodien habe er so gesammelt.

Doch in New York gerät die Produktion aus den Bahnen: Die Kosten sind viel zu hoch, die Produktions-Company muss im Januar 1936 Konkurs anmelden. Werfel geht nach Europa zurück, Reinhardt nach Kalifornien, nur Weill bleibt in New York. Erst im November 1936 kommt das Team für "The Eternal Road" wieder zusammen und entwickelt die bis dahin teuerste Broadway-Produktion zur Aufführungsreife, Premiere ist am 7. Januar 1937, immerhin 153 Vorstellungen folgen.

Dass das fast unspielbare Werk nun doch seinen Weg auf die Bühne findet, ist der Kurt Weill Foundation zu verdanken, die den amerikanischen Komponisten Ed Harsh beauftragte, eine gekürzte oratorische Fassung des Werkes zu schaffen – eine Fassung, die beim diesjährigen Kurt Weill Fest ihre europäische Erstaufführung (in deutscher Sprache) erlebt!

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