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Kohlhaas oder die Verhältnismässigkeit der Mittel; © Foto: missingFILMs
Kohlhaas oder die Verhältnismässigkeit der Mittel; © Foto: missingFILMs

Saisonstart im Kiez-Kino mit "Kohlhaas oder Die Verhältnismäßigkeit der Mittel"

Veröffentlicht am Sonntag, 25. August 2013

Kaum ist das letzte Bild beim Sommerhofkino über die Leinwand des Schwabehauses geflimmert, da wird im Dessauer Kiez-Kino bereits der Start in die neue Saison vorbereitet. Ab Donnerstag wird wieder in die Bertolt-Brecht-Straße eingeladen, und zum Auftakt gibt es mit "Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel" eine Tragikomödie zu sehen, die eine äußerst unterhaltsame Liebeserklärung an das Kino ist.

Schlimmer hätte es für Regisseur Lehmann eigentlich nicht kommen können: eben noch hatten die Dreharbeiten zu seinem Historiendrama "Kohlhaas", frei nach der Novelle von Heinrich von Kleist, begonnen, da wird schon nach dem ersten Drehtag der Geldhahn zugedreht. Doch Lehmann ist entschlossen, nicht aufzugeben und für seinen Traum und seine Ideale zu kämpfen, so wie es auch der Romanheld tat. Also setzt er die Dreharbeiten im bayerischen Dorf fort, ohne Geld aber mit jeder Menge Fantasie, Improvisationstalent und der tatkräftigen Unterstützung der Dorfbewohner.

Natürlich müssen dafür auch Kompromisse gemacht werden. Da Pferde als Reittiere nicht zur Verfügung stehen, springen für sie eben Kühe ein, für das Feindesheer muss eine Baumreihe herhalten, oder der Kampf mit imaginären Schwertern und Pistolen wird gleich ganz gegen unsichtbare Gegner geführt. Die Kettenhemden werden selbst gehäkelt, und aus zwei Schauspielern entsteht eine 30 Mann starke Truppe. Denn Lehmann ist überzeugt davon, dass allein die schauspielerische Leistung seiner Darsteller, die Magie des Kinos und die Fantasie seiner Zuschauer ausreichen werden, um aus "Kohlhaas" das Epos zu machen, das er vor seinem geistigen Auge hat.

"Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel" ist als sogenannte "Mockumentary" in Szene gesetzt, also als scheinbare Dokumentation, bei der die Dreharbeiten durch eine Making-of-Kamera begleitet werden. Dass Regisseur Aaron Lehmann für seinen ersten Langfilm dem Hauptdarsteller seinen Nachnamen verliehen hat zeigt einerseits die Selbstironie des Filmemachers, deutet zum Anderen aber auch an, dass sich beide Lehmanns die Begeisterung für das Kino, für die Macht der Fantasie und Illusion, teilen. Und das ist der Komödie auch immer wieder anzumerken.

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