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Probenszene:
Probenszene: "The Beggar´s Opera / Polly" mit Sebastian Müller-Stahl, Gerald Fiedler; Foto: Claudia Heysel

Premiere für „The Beggar's Opera/Polly”

Veröffentlicht am Samstag, 22. Februar 2014

Genau zwei Jahrhunderte benötigte die 1728 uraufgeführte "The Beggar's Opera" von John Gay und Johann Christoph Pepusch, bevor sie 1928 in der Bearbeitung von Bertolt Brecht und Kurt Weill als "Dreigroschenoper" zum Welterfolg wurde. Dass das Original um den Gentleman-Verbrecher Macheath und seine Braut Polly schon 1729 eine Fortsetzung fand, ist weniger bekannt. Noch vor der Premiere wurde "Polly" verboten - zum Dessauer Kurt Weill Fest kommen beide Teile heute erstmals gemeinsam auf die Bühne des Anhaltischen Theaters Dessau.

"The Beggar's Opera" begeisterte schon 1728 ihr Publikum. Als "Oper fürs Volk", die im Gegensatz zum damals schweren und bedeutungsschwangeren Opernstoff stand, karrikierte sie die Londoner Politik und Oberschicht. Die Fortsetzung "Polly", die in der Südsee zwischen Indianern und Piraten spielt, ließen hochrangige Politiker daher schon vor der Uraufführung verbieten. Die Dessauer Aufführung verbindet beide Opern zu einem neuen Ganzen, musikalisch erweitert durch Christoph Reuter und Cristin Claas.

Dabei zeigt sich auch, dass Bertolt Brecht und Kurt Weill sich für ihre "Dreigroschenoper" recht großzügig am Original bedienten, sowohl die Geschichte als auch das Personal aus dem Londoner Halbwelt-Milieu wurden übernommen. Verschmolzen mit der Fortsetzung werden auch Fragen beantwortet, die sich Kenner des Stückes eventuell schon länger gestellt haben. Warum beispielsweise singt Polly die Ballade von der Seeräuber-Jenny? Oder warum wird Captain Macheath mitten in London ausgerechnet mit einem Haifisch verglichen?

Bei der Dessauer Premiere trifft das 18. Jahrhundert neben den 1920er Jahren aber auch auf die Neuzeit, oder genauer gesagt passend zum Motto des diesjährigen Kurt Weill Festes "Kurt Weill & die Medien" auf die neuen Medien. Während der Vorstellung werden ausgewählte Zuschauer ganz offiziell über Twitter aus dem Theatersaal berichten. Aus zwei eigens eingerichteten Twitterlogen halten sie alle Interessierten unter #Begop bzw. begop.tweetwally.com über das Bühnengeschehen auf dem Laufenden.

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