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Verein und Haus feiern Geburtstag

Veröffentlicht am Dienstag, 26. Juli 2016

Der Stadtteil Nord gilt mit seinen sanierten Jugendstil-Häusern heute als besonderes Schmuckstück Dessaus. Vor 1989 sah das noch anders aus: viele Häuser waren nach jahrzehntelangem Verfall vom Abriss bedroht und sollten Neubauten weichen. Mit der "IG Stadtleben" fanden sich junge Menschen zusammen, die das verhindern wollten. Und die nach der Wende, genauer gesagt 1991, mit dem "K.I.E.Z. e.V." ein besonderes Beispiel bürgerschaftlichen Engagements schufen. Am 13. August feiern der Verein und das gleichnamige Haus ihren 25. Geburtstag.

Das Haus in der Bertolt-Brecht-Straße 29 bot 1990 ein Bild des Jammers. Und doch war es eigentlich ein Gebäude wie viele andere im Dessau-Nord der Nachwendezeit: eine Ruine, deren letzte Mieter schon längst die Flucht in bessere Wohnmöglichkeiten angetreten hatten. Aber es gab eine Gruppe junger Menschen, die in dem Haus etwas Besonderes sahen – und es kurzerhand besetzten. "Ihr Ziel war es, im Stadtteil ein Gebäude zu finden und dort ein "Kommunales Informations- und Einwohnerzentrum" zu gründen. Es war klar, dass durch die Wende große Teile des öffentlichen Raums privatisiert werden würden – und dem wollte man etwas entgegensetzen. Öffentliche Plätze sollten öffentlich und auch für den Bürger erhalten bleiben", erinnert sich "K.I.E.Z."-Vorstand Andreas Gelies, der 1994 zum Verein kam. Hätte eine solche Aktion heute wahrscheinlich eine baldige Räumung des Hauses zur Folge, fanden die Besetzer, darunter Mitarbeiter des Bauhauses, Künstler und kanadische Architekturstudenten, in der "wilden" Zeit des Umbruchs unerwartete Unterstützung.

Wie es der Zufall wollte, war Dessau-Nord zum Sanierungsgebiet erklärt worden und ein entsprechendes Förderprogramm wurde aufgelegt. Joachim Landgraf, heute Direktor des Kurt Weill Zentrums und damals Abteilungsleiter Kultur der neu gegründeten Bezirksregierung Dessau, sorgte zudem dafür, das auch aus den eingezogenen SED-Parteimitteln Gelder für die Gründung und den Anlaufbetrieb eines Kulturzentrums zur Verfügung standen. Das "K.I.E.Z." wurde Realität, auch wenn es noch zwei weitere Jahre dauern sollte, bis der Verein das Haus offiziell erwerben und damit schon damals durch seine Arbeit offenbar so überzeugen konnte, dass er Vorrang vor einem Alteigentümer erhielt.

Da war das K.I.E.Z. bereits Heimat einer Vielzahl von Projekten, einer Holzwerkstatt, des bis heute beliebten Cafés und vieles mehr. Doch die Pläne gingen noch weiter – und so wurde ab 1994 in einem zweiten Bauabschnitt die benachbarte Ruine wieder aufgebaut, die seit 1996 Heimat des Kiez-Kinos ist.

Von 1991 bis heute war das K.I.E.Z. vieles: Stadtteilzentrum, Medienwerkstatt, Kino, Theater, Café, Ort für Jugendsozialarbeit, Kunst und Veranstaltungen, Motor und Katalysator für Internationalität, für verschiedenste Talente, für soziales und kulturelles Engagement. Doch nach der Euphorie der Anfangszeit kamen schnell harte Zeiten auf den Verein zu. "Ende der 90er Jahre gab es bestimmte Förderungen nicht mehr oder sie brachen weg. Das K.I.E.Z. ist dann bis 2008/2009 durch zehn Jahre schweren Existenzkampfes gegangen. Der Verein existiert eigentlich nur noch, weil es zwei Privatpersonen gegeben hat, die in Größenordnungen eigenes Geld rein gesteckt haben.", blickt Andreas Gelies zurück. Als 2009 auch das Kiez-Kino von der Schließung bedroht war, kam der LEO als Partner an Bord, um das kleinste Programmkino Sachsen-Anhalts zu retten. "Wir haben seitdem eine Kooperation, die immer befristet ist und jährlich erneuert wird, bei der wir aber eigentlich auch sagen müssen, dass hier die Stadt in die Verantwortung gehen und eine Defizitfinanzierung machen müsste. Das Kino erwirtschaftet Einnahmen, es reicht am Ende aber nicht, um den dauerhaften Betrieb zu sichern."

Der dauerhafte Kampf um Fördermittel für die Kinder- und Jugendprojekte des K.I.E.Z., um den Erhalt des Kinderzirkus "Raxli Faxli" beispielsweise oder die Sicherung von zwei Sozialarbeiterstellen, durch die gemeinsam mit der St. Johannis gGmbH der "Nordklub" betrieben wird, hat die 25-jährige Geschichte des "K.I.E.Z. e.V." geprägt. Immer wieder muss der Verein deutlich machen, wie wichtig seine Arbeit für den Stadtteil und darüber hinaus ist – denn wenn im städtischen Haushalt die Mittel knapp sind, wird zuerst bei den freiwilligen Aufgaben, also im Kultur- und Jugendbereich, der Rotstift angesetzt.

Für die Zukunft hoffen Andreas Gelies und seine Mitstreiter auf Verstärkung und Verjüngung durch neue Vereinsmitglieder. "Ich wünsche mir, dass wir in den Feldern, in denen wir im Moment Stand- und auch Spielbeine haben, weiterhin aktiv sind, und möglicherweise auch in Kooperation mit anderen Vereinen weitere Projekte auflegen, die für die Stadt etwas bewirken. Denn ich denke, dass es wichtig ist, dass bürgerschaftliches Engagement dafür sorgt, dass diese Stadt weiterhin lebenswert bleibt."

Erst einmal wird am 13. August aber gefeiert. Mit Wegbereitern und Wegbegleitern, mit "Johnny the Fox" und "DJ Shame", mit Druckwerkstatt und Kinderschminken, mit Cupcakes und Deftigem. Und vielleicht auch mit etwas Stolz auf das Erreichte, das 1991 seinen Anfang nahm.

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