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Symbolische Grundstücksübergabe – Oberbürgermeister der Stadt Dessau-Roßlau Peter Kuras übergibt Urkunde an Frau Dr. Claudia Perren
Symbolische Grundstücksübergabe – Oberbürgermeister der Stadt Dessau-Roßlau Peter Kuras übergibt Urkunde an Frau Dr. Claudia Perren© LEO

"Ein guter Tag für Dessau-Roßlau"

Veröffentlicht am Montag, 05. Dezember 2016

Im Dessauer Stadtpark wurde am Sonntagnachmittag der Grundstein für das neue Bauhaus-Museum gelegt. Im Beisein zahlreicher Vertreter von Stadt, Land und Bund, aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sowie zahlreicher Dessau-Roßlauer markierte die Veranstaltung den offiziellen Baustart des Museums, das 2019 eröffnet werden soll. Als Ausstellungsfläche der zweitgrößten Bauhaus-Sammlung der Welt, aber auch als vieles mehr, wie am Sonntag betont wurde.

Eigentlich sollte das große Festzelt die Besucher der Grundsteinlegung am Sonntag vor Regen schützen. Strahlender Sonnenschein und hunderte Gäste sorgten jedoch für den paradoxen Effekt, dass es schon kurz nach Veranstaltungsbeginn im Inneren des Zeltes nass wurde. Die Besucher konnte das jedoch nicht verschrecken, auch wenn Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff scherzhaft den vergessenen Regenschirm erwähnte und Dessau-Roßlaus Stadtoberhaupt Peter Kuras von der neuen Dessauer Tropfsteinhöhle sprach. Der Bedeutung des Anlasses tat das keinen Abbruch, schließlich war die Grundsteinlegung für das „Bauhaus Museum Dessau“ ein mehr als versöhnlicher Abschluss eines jahrelangen Ringens um den Museumsstandort.

„Dessau-Roßlau erhält ein Museum, das sich zur Stadt öffnet und sich in die historischen Bauhausbauten einreiht, in dem wir unsere wertvollsten Objekte zeigen können und das mit seiner offenen Bauhausbühne Raum für neue Experimente bietet,“ so Dr. Claudia Perren, Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau, zur Grundsteinlegung. Ministerpräsident Haseloff zeigte sich glücklich, dass der Festakt noch 2016 und pünktlich zum Bauhausgeburtstag erfolgen konnte und dankte Oberbürgermeister Kuras stellvertretend für die Stadt für den zentralen Bauplatz: „Damit zeigen Sie, dass das Bauhaus nicht nur mit seinem Hauptgebäude und seinen Bauten in den Stadtteilen wahrgenommen wird, sondern dass das Bauhauserbe flächig gelebt wird.“ Dr. Sigrid Bias-Engels würdigte als Vertreterin des Bundes, der mit dem Land den 25 Millionen Euro teuren Neubau zu gleichen Teilen finanziert, die nationale und internationale Bedeutung des Bauhausjubiläums 2019 hervor: „Die drei Bauhausstädte Weimar, Dessau und Berlin ergänzen einander. Aber in Dessau erlebte das Bauhaus seine Blütezeit.“

„Heute ist ein guter Tag für Dessau-Roßlau,“ fasste Peter Kuras seine Emotionen am Sonntag zusammen. Die Grundsteinlegung sei ein Meilenstein in der Geschichte der Stadt. Bereits seit Ende der 1990er habe es in der Stadtverwaltung den Plan gegeben, den Baugrund im Stadtpark, auf dem bis zum 2. Weltkrieg das „Palais Reina“ stand, für einen besonderen Bau zu nutzen. Das Bauhaus-Museum sei auch eine wirtschaftliche Chance für die Innenstadt und habe zudem den Anlass gegeben, die dringend notwendige Aufwertung der Kavalierstraße umzusetzen, die im kommenden Jahr beginnen soll. Mit der symbolischen Grundstücksübergabe an Dr. Perren gab Kuras das endgültige Signal für den Baustart. Vor dem eigentlichen Akt der Grundsteinlegung gab Architekt Roberto González jedoch noch Einblicke in sein Bauwerk – zum Erstaunen vieler Besucher in fließendem Deutsch, obwohl der Spanier bei der Auftragsvergabe vor einem Jahr noch auf eine Dolmetscherin zurückgreifen musste. Eine überaus überzeugende Darstellung lieferte Performance-Künstlerin Ellen Kobe ab, die als (nicht existente) Enkelin von Walter Gropius auch die Befüllung der Zeitkapsel für den Grundstein übernahm. Die Kapsel wurde von regionalen Handwerkern geschaffen und erinnerte in ihrer Form an die „Black Box“, den schwarzen Riegel, der als Ausstellungfläche des Museums dienen wird.

Kobe übergab der Zeitkapsel die Baupläne des Bauhaus-Museums, die UNESCO-Welterbeurkunde, eine Tageszeitung und ein historisches Foto von der Bauhauseröffnung. Ministerpräsident Haseloff steuerte als persönliche Gegenstände ein Luther-Bildnis und eine Luther-Playmobilfigur bei, sowie einen Memorystick mit allen Daten des Landes. „Unsere politische Aufgabe muss es nun sein, dafür zu sorgen, dass die Daten auch in 600 oder 1.000 Jahren noch lesbar sind,“ scherzte der Landesvater. In Anspielung an die Finanzierung durch den Bund gab Dr. Sigrid Bias-Engel eine Geldbörse mit je einem Exemplar jeder Euromünze, also insgesamt 3,88 Euro, in die Kapsel. Oberbürgermeister Kuras hatte drei auf Metall gezogene Fotos des „Palais Reina“, seiner noch viele Jahrzehnte als Ruine verbliebenen Säulen und von Landeskonservator Ludwig Grote, der maßgeblich den Umzug des Bauhauses nach Dessau initiiert hatte, im Gepäck. Auch einen symbolischen „Dessauer Sonnenkopp“ steuerte er bei. Architekt Roberto González hatte neben einem Rogenstein, den er unweit des Baufeldes entdeckt hatte, auch Sand aus dem heimatlichen Barcelona sowie Fotos und Zeichnungen aus seinem Architekturbüro und seiner Familie beizusteuern. Die weltberühmte Gropius-Klinke, die Dr. Claudia Perren schließlich zum Abschluss in die Zeitkapsel legte, verband sie mit einem symbolträchtigen Wunsch: „Mögen die Türen des Bauhaus-Museums immer offen sein!“

Die eigentlichen Bauarbeiten für das neue Museum sollen im Frühjahr beginnen. Dann wird der Grundstein Teil eines Gebäudes, in dem viele Hoffnungen stecken. Und vielleicht wird er irgendwann auch selbst zum Zeitzeugen. Mindestens 600 Jahre soll er seinen Inhalt nach Konservatorenangaben für die Nachwelt bewahren.

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