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Februar 2018
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LEO Tagestipp
Kurt Weill Fest Festspiel-Intendanten Prof. Michael Kaufmann
Kurt Weill Fest Festspiel-Intendanten Prof. Michael Kaufmann© Hartmut Bösener

Wir machen das gemeinsam

Veröffentlicht am Mittwoch, 24. Februar 2016

Wenn vom 26. Februar bis 13. März zum 24. Kurt Weill Fest Dessau eingeladen wird, dann steht die traditionsreiche Veranstaltung unter ganz besonderen Vorzeichen. Erstmals steht neben dem Dessauer Komponisten auch sein österreichischer Zeitgenosse Ernst Krenek im Mittelpunkt einer Vielzahl der insgesamt über 60 Veranstaltungen. Zudem gibt es ein Wiedersehen mit fast allen Artists-in-Residence der letzten Jahre, die „Godmother of Punk“ Nina Hagen als Stargast, Workshops, eine Ausstellung und vieles mehr. Für einen ausführlichen Blick hinter die Festkulissen, auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Festivals, sprach LEO mit dem Festspiel-Intendanten Prof. Michael Kaufmann.

Was verbindet Ernst Krenek und Kurt Weill?

Michael Kaufmann: Zuerst einmal verbindet Krenek mit Dessau, dass sein erstes Violinkonzert im Januar 1925 hier uraufgeführt worden ist, damals von einem der Geigensuperstars seiner Zeit. Kurt Weills Violinkonzert hatte ein halbes Jahr später seine Deutsche Erstaufführung am selben Ort. Das finde ich sehr spannend, und deshalb fange ich damit auch an, weil es zeigt, dass Dessau, schon bevor das Bauhaus hierher kam, eine Stadt der klassischen Moderne war, insbesondere durchs Theater, durch die Musik, durch tolle Dirigenten, die hier gewirkt haben und die wohl auch mit dazu beigetragen haben, warum die Bauhäusler nach Dessau gekommen sind. Das, was die beiden Komponisten noch miteinander verbindet, ist, dass sie beide 1900 geboren sind, dass Sie Kinder derselben Zeit und auch Superstars in den 20er Jahren waren. Der eine mit der Dreigroschenoper, der andere mit einer Oper mit vielen Jazzelementen, der Jazz-Oper „Jonny spielt auf“.

Beide waren da Ende Zwanzig und die meist aufgeführten Komponisten der damaligen Zeit. Und beide mussten vor den Nazis fliehen, Weill als Deutscher 1933 und Krenek als Österreicher nach dem Anschluss Österreichs 1938 – und sie begegnen sich in Amerika wieder. Dazu gibt es ganz schöne Dokumente von Krenek. Und ich finde, dass sie zugleich verbindend und jeder für sich auch eigenständig für einen der bedeutendsten Spannungsbögen in der Musik der Zeit um die Jahrhundertwende stehen, nämlich für Wien und Berlin. Ich glaube, es gibt wirklich viele Gründe, warum man die Beiden mal zusammenbringt. Und jetzt hoffe ich natürlich, dass sich das, was ich beim Entwickeln des Programms zunehmend spannend fand, auch auf das Publikum überträgt.

Wie entstand die intensive Kooperation mit dem Ernst Krenek Institut, die in dieser Form eine Premiere für das Kurt Weill Fest ist?

Michael Kaufmann: In der Entwicklung ist da wichtig zu sehen, dass ich schon immer versuche, gute Kooperationspartner für Kurt Weill zu finden und die guten gewachsenen Kooperationen zu pflegen.

Einer der in den letzten Jahren wichtigsten Partner vieler unserer Aktivitäten ist Prof. Dr. Matthias Henke. Er arbeitet für uns quasi als „Writer-in-Residence“ für die Festspiel-Magazine, hat ebenso die inhaltliche Leitung für die ENTDECKUNGEN. Und er ist einzigartiger Multiplikator, weil er immer seine Studenten der Universität Siegen mit Gepäck hat. Ich arbeite seit über 10 Jahren mit ihm zusammen und so tauschen wir uns natürlich auch über die konkreten Themen hinaus aus. Vor zwei Jahren hat er mich gefragt, was ich 2016 mit dem Fest vorhabe. Ich erzählte, dass ich gern die klassische Moderne in den Blick nehmen möchte, um frühzeitig ein Zeichen in Richtung Bauhaus-Jubiläum zu setzen.

Und so bot er an zu überlegen, ob wir nicht den 25. Todestag von Ernst Krenek mit in den Blick nehmen sollten, weil es eben dessen Beziehung zu Dessau von 1925 gibt. Das fand ich sehr spannend und konnte mit Matthias Henke auch die Verbindung zum Ernst Krenek Institut in Niederösterreich finden, weil er dort im Künstlerisch-Wissenschaftlichen Beirat aktiv ist. Man kann also sagen, dass er der Vater dieser Kooperation und der besonderen Programm-Idee ist und bei den ersten Gesprächen mit Ernst Kovacic, dem Vorstandsvorsitzenden des Krenek Instituts dabei war. Dass ich Dr. Antje Müller, die seit 2015 Geschäftsführerin des Krenek Instituts ist, seit vielen Jahren gut kenne, war dann natürlich zusätzlich von großer Bedeutung in den weiteren Gesprächen. Und je mehr wir über „Krenek, Weill & Die Moderne“ geredet haben, desto klarer wurde mir, dass Ernst Kovacic der ideale Artist-in-Residence für 2016 wäre. Er hat das Weill-Konzert international zigmal gespielt und natürlich auch das Krenek-Konzert. So entstand Schritt für Schritt eine immer weiter sich vertiefende, internationale Kooperation für das Kurt Weill Fest, das nun wieder von Dessau aus als Landesmusikfest der Moderne strahlt. Darüber bin ich sehr glücklich!

Das ganze Interview könnt Ihr in unserer E-Paper Ausgabe ab Seite 10 unter www.leo-magazin.com/magazin/2016/februar-2016.html nachlesen. Viel Spaß!

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