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© Claudia Heysel

Interview mit Dominique Horwitz

Veröffentlicht am Donnerstag, 29. September 2016

„Mein Kampf“ am Anhaltischen Theater Dessau? Der Titel der Inszenierung, die am 8. Oktober im Alten Theater Premiere feiert, dürfte erst einmal für Verwirrung bis Entsetzen sorgen. Aber natürlich handelt es sich nicht um eine Bühnenfassung des berüchtigten Hitler-Buches – wohl aber um ein Stück, in dessen Mittelpunkt der gescheiterte Kunstmaler Adolf Hitler steht. Die Farce des jüdischen Autors George Tabori feierte 1987 am Wiener Burgtheater Premiere. In Dessau wird sie vom bekannten Schauspieler, Chansonier und Autor Dominique Horwitz inszeniert. Im LEO-Gespräch wollten wir unter anderem wissen, wie persönlich die Auseinandersetzung mit dem Stoff für Horwitz ist.

Dem Dessauer Publikum sind Sie live vor allem als musikalischer Gast des Kurt Weill Festes bekannt, ebenso natürlich als Schauspieler in Film und Fernsehen. Wie kommt es, dass Sie nun als Gastregisseur zu erleben sind und was hat Sie daran gereizt, „Mein Kampf“ zu inszenieren?

Dominique Horwitz: Die neue Schauspieldirektorin Almut Fischer und mich verbindet eine langjährige Arbeitsbeziehung. Ihr Spielplan thematisiert „Das Fremde“ in all seinen Facetten, auch auf höchst unterhaltsame Weise.

Da „Mein Kampf“ Politisches und Unterhaltsames auf sehr vergnügliche Weise verbindet, und Rassismus traurigerweise brandaktuell geworden ist, ist es für mich so etwas wie das Stück der Stunde.

Die meistgestellte Frage bei einem komischen Stoff über Hitler ist in Deutschland mit Sicherheit: Darf man über diesen Mann lachen? Darf man? Muss man vielleicht sogar?

Dominique Horwitz: Mit Hitler ist es wie mit dem Leben. Jeder muss eine eigene Haltung dazu finden. Dem Grauen ist vielleicht nur mit Lachen beizukommen. Diese positive Haltung ist gleichzeitig ein beherztes Ja zum Leben.

George Tabori hat mit „Mein Kampf“ nach eigener Aussage für sich die Schrecken der Shoah verarbeitet, der auch seine Familie zum Opfer fiel. Ihre Eltern sind vor den Nationalsozialisten nach Frankreich geflohen und haben den Holocaust vielleicht nur deshalb überlebt. Wie persönlich wird die Auseinandersetzung mit dem Stück?

Dominique Horwitz: Persönlicher geht es wohl kaum.

Wie wichtig ist es, gerade in der heutigen Zeit, zu zeigen, dass Hitler nicht immer das abstrakte Monstrum war, als das er lange ausschließlich dargestellt wurde, sondern anfangs ein mehr oder weniger „normaler“ junger Mann, der sich zunehmend radikalisierte?

Dominique Horwitz: Wer sagt, dass Hitler je normal war? Wer sagt, dass Sie oder ich normal sind? Der Dämon in uns ist allgegenwärtig.

Gibt es eine „Zielgruppe“ für die Inszenierung? Also, gibt es Menschen, die Sie gern im Publikum hätten, um sie zum Nachdenken anzuregen?

Dominique Horwitz: Wir wollen jeden Dessauer ansprechen. Theater zu spielen, unser Innerstes nach außen zu kehren, ist das Größte und Intimste, das wir vermögen. Wenn wir damit die Herzen der Zuschauer öffnen, hat das Theater seine Aufgabe als emotionaler Motor der Stadt erfüllt.

Wie haben Sie die Stadt Dessau-Roßlau, ihre Menschen und das Anhaltische Theater bisher kennengelernt?

Dominique Horwitz: Der Raum in dem ich mich bewege und arbeite, ist das Alte Theater. Mehr Dessau kann ich im Moment leider wegen der intensiven Probenarbeit, aus Zeitgründen nicht erleben. Das Ensemble ist zwar klein aber herausragend, die technischen Mitarbeiter sind die Seele des Hauses.

Ich fühle mich in der Produktion „Mein Kampf“ so gut aufgehoben und betreut, wie ganz selten. Mit anderen Worten, in einer Stadt mit einem solchen Theater fühle ich mich Zuhause.

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