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Der Anhalter Bär als Symbol des regionalen Kirchentages
Der Anhalter Bär als Symbol des regionalen Kirchentages© Veranstalter

"Kreativität für ein gemeinsames Ziel"

Veröffentlicht am Freitag, 24. Mrz 2017

Die organisatorischen Fäden aller "Kirchentages auf dem Weg" laufen zwar in Wittenberg zusammen, die Ausrichtung der Dessau-Roßlauer Veranstaltung liegt jedoch in der Verantwortung der Evangelischen Landeskirche Anhalts. Oder genauer gesagt in der ihres Reformations-beauftragen Andreas Janßen, der mit einem kleinen Organisationsteam seit Monaten die Beiträge Anhalts zum Reformationssommer vorbereitet. Im LEO gibt er Einblicke in Intention und Umsetzung des Großereignisses.

Was waren die besonderen Herausforderungen, denen sich die Landeskirche bei der Organisation des "Kirchentages auf dem Weg" gegenübersah?

Andreas Janßen: Kleine Landeskirche bedeutet auch immer weniger Personal als in anderen Landeskirchen. Der Kirchentag auf dem Weg ist ja nur eine von drei Großveranstaltungen im Reformationssommer. Die Weltausstellung in Wittenberg und der Europäische Stationenweg in Bernburg werden mit gleicher Kraft vorbereitet. Es muss also immer geschaut werden, wer welche vorbereitende Aufgabe – zusätzlich zum normalen Dienst – übernehmen kann.

Aber die Besonderheit Anhalts liegt in der überschaubaren Struktur und den funktionierenden Netzwerken. Die Stadt Dessau-Roßlau ist bei der Vorbereitung und Durchführung des Kirchentags eine gleichwertige Partnerin. Im Dessauer Rathaus haben viele fleißige Hände Dinge möglich gemacht, die in großen Strukturen mit langen Dienstwegen sicherlich schon an der Bürokratie gescheitert wären. Ein gemeinsames Ziel setzt immer eine Menge Kreativität frei.

Was sind aus Ihrer Sicht die besonderen Höhepunkte dieses Himmelfahrtswochenendes?

Andreas Janßen: Eigentlich ist das gesamte Programm ein einziger Höhepunkt. Dass wir heute über 200 Programmformate für unsere Gäste bereithalten, hätte vor zwei Jahren niemand gedacht. Aber als Höhepunkte kann man sicherlich den Himmelfahrtsgottesdienst mit anschließendem "Anhalt-Mahl" am 25. Mai in der Zerbster Straße, das Festkonzert der Anhaltischen Philharmonie am 27. Mai und die Veranstaltungen in Wörlitz bezeichnen. Auch zahlreiche Konzerte, Vorträge und Podien sind zu nennen oder das Kletterprojekt „Getragen wagen“ mit einem Klettergarten in der Auferstehungskirche.

Warum hat der Dessauer Kirchentag ein Zitat Moses Mendelssohns als Motto ausgewählt?

Andreas Janßen: Jeder "Kirchentages auf dem Weg" hat ein eigenes Motto, das bewusst nicht aus dem biblischen Kontext genommen wurde. Das Gesamtmotto aller Kirchentage ist mit „Du siehst mich“ dafür ein sehr biblisches Wort. Wir haben in Dessau bewusst auf die Geschichte der Stadt und der Region geschaut. Dessau ist historisch gesehen eine Stadt der Aufklärung und der Toleranz. Beides Themen, die wir heute wieder in den Fokus rücken müssen.

Moses Mendelssohn, als Philosoph und toleranter Vordenker, bot sich daher als Mottogeber an. Im Mittelpunkt der Veranstaltungen zum Kirchentag steht nicht nur eine sich wandelnde Gesellschaft, sondern auch die Frage nach religiöser Toleranz und Offenheit in einer säkularisierten Region.

In Sachsen-Anhalt gehören nur rund 14 Prozent der Bevölkerung einer evangelischen Glaubensgemeinschaft an. Warum ist der „Kirchentag auf dem Weg“ ein Ereignis, das sich auch Konfessionslose und Angehörige anderer Religionen nicht entgehen lassen sollten?

Andreas Janßen: Kirche ist kein in sich geschlossener Club oder Geheimbund, sondern richtet sich – gemäß biblischem Auftrag – mit ihren Angeboten immer an die ganze Gesellschaft.

Unsere Programmformate sind so gestaltet, dass Menschen, unabhängig von ihrer Weltanschauung, Angebote finden, mit denen sie sich identifizieren können. Die Bibelarbeiten und theologischen Foren sind gute Gelegenheiten, miteinander ins Gespräch zu kommen. Wer an Umweltthemen, Gesellschaftsentwicklung und vielleicht auch an der eigenen Spiritualität Interesse hat, wird sich wiederfinden und kann sich einbringen.

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