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September 2017
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LEO Tagestipp
Erste Wörlitzer Filmtage
Erste Wörlitzer Filmtage© Hartmut Bösener

Zweite Wörlitzer Filmtage

Veröffentlicht am Dienstag, 25. Juli 2017

Als die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz und das Kiez-Kino Dessau im vergangenen Jahr erstmals zu den Wörlitzer Filmtagen einluden, war es ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Würde es gelingen, auf der malerischen Insel Stein mitten in den Wörlitzer Anlagen ein Open-Air-Filmfestival zu etablieren, das nicht mit den neuesten Action-Blockbustern lockt, sondern sich ganz dem Historienfilm im klassizistischen Ambiente verschrieben hat? Doch mit jedem Veranstaltungstag wuchs bei den Organisatoren die Erkenntnis, dass hier etwas ganz besonderes entstanden war. Die Besucher kamen zahlreich und gingen begeistert, die Medien berichteten sehr wohlwollend, die Stimmung war fantastisch und schon mit dem letzten Filmbild auf der Leinwand – und bis heute – wurde die Frage nach einer Fortsetzung gestellt. Vom 26. August bis 1. September kehren die Wörlitzer Filmtage nun zurück.

Es sind wahrscheinlich nicht die Filme allein, die die Wörlitzer Filmtage zu einem besonderen Erlebnis machen. Selbst die aktuellsten Beiträge im Programm der Erstauflage waren längst für das Heimkino erhältlich oder liefen mehrfach im Fernsehen. Sicherlich hat einige Gäste auch die Gelegenheit angelockt, ihren Lieblingsfilm auf der großen Leinwand zu sehen. In erster Linie jedoch war es die besondere Atmosphäre, die Besucher aus der gesamten Region und sogar aus benachbarten Bundesländern anzog. Der rote Teppich, über den die Besucher auf der Insel Stein flanierten und der laut Kulturstiftung übrigens der erste seiner Art war, der seit Gründung des Gartenreichs Dessau-Wörlitz hier ausgerollt wurde. Die große Fotowand, vor der sich jeder Besucher wie ein echter Stargast fühlen konnte. Die stimmungsvolle Beleuchtung des „römischen“ Theaters. Die Gaumenfreuden und edlen Tropfen des Wörlitzer Ringhotel „Zum Stein“. All dies im Herzen des einmaligen UNESCO-Weltkulturerbes. Und mittendrin eine Handvoll engagierter Organisatoren und viele Unterstützer, denen das Herzblut für das Festival jederzeit anzumerken war. In ihren Dimensionen können sich die Wörlitzer Filmtage schon aufgrund der begrenzten Platzzahl im Theater natürlich nicht mit den großen Festivals dieser Welt messen – in Sachen Kreativität und Engagement stehen sie ihnen aber ganz sicher nicht nach.

Uwe Quilitzsch, seitens der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz treibende Kraft hinter den Wörlitzer Filmtagen und sozusagen Hausherr auf der Insel Stein, die er seit über 30 Jahren kennt wie kein Zweiter, ist sich sicher, dass auch die Zeitgenossen des Gartenreichgründers Gefallen am Veranstaltungsformat gefunden hätten: „Noch nach 200 Jahren kann man den Worten Friedrich von Bruiningk folgen und Gästen zurufen: Eile mit mir nach Wörlitz, dem Lieblingsaufenthalt eines guten Fürsten; der hier, an den stillen Ufern eines Landsees, ein Elysium hinzauberte, und in dem frohen Genuss derer, denen es Freude schafft, selbst eine edle Freude findet!“

Der inhaltliche Bezug der Zweiten Wörlitzer Filmtage zur Jahresausstellung der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz mag nicht so offensichtlich sein wie bei der Erstauflage, vorhanden ist er aber sogar noch facettenreicher. „Bei der Premiere 2016 konnten wir auf Verfilmungen des Schicksals von Lady Hamilton zurückgreifen“, erklärt Thomas Ohrmann vom Kiez-Kino Dessau, „Unsere Suche nach sehenswerten Filmstoffen über Fürst Franz oder den berühmten Archäologen Johann Joachim Winckelmann, die in diesem Jahr beide besondere Jahrestage begehen, blieb aber leider erfolglos.“ Stattdessen konzentrierten sich die Kinomacher auf inhaltliche Parallelen zwischen Ausstellungsthema, Gartenreichschöpfer und Leinwandgeschehen. Johann Wolfgang von Goethe, der das Gartenreich als „unendlich schön“ lobte, steht im Zentrum des Eröffnungsfilms. Die Entfremdung zwischen Adel und einfachem Volk, der Fürst Franz mit seinem aufklärerischen Wirken entgegentrat, spiegelt sich in „Leb wohl, meine Königin!“ wider. „Dido Elizabeth Belle“ und „Love &Friendship“ stellen auf sehr unterschiedliche Weise starke Frauen in den Mittelpunkt, die gegen die Konventionen ihrer Zeit aufbegehren – im Kampf gegen alltäglichen Rassismus oder etablierte Geschlechterrollen. Ein Ringen um Toleranz, eine Eigenschaft, die Fürst Franz zur Maxime seines Handelns gemacht hatte und die Jahresthema der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz ist.

„Unser Hauptaugenmerk lag aber natürlich trotz aller Bezüge darauf, sieben sehenswerte und unterhaltsame Filmabende zu gestalten, die unserem kleinen Festival und unseren eigenen Ansprüchen sowie den Erwartungen der Besucher gerecht werden“, so Thomas Ohrmann, „Ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingen wird.“ Mit „Tulpenfieber“ ist in diesem Jahr erstmals ein top-aktueller Film pünktlich zum Deutschlandstart zu sehen. Außerdem kehren die Haudegen der Musketiere auf die Leinwand der Insel Stein zurück, auf der auch Weltstars wie Scarlett Johansson, Diane Kruger oder Kate Beckinsale zu erleben sind.

Ganz neu ist bei den Zweiten Wörlitzer Filmtagen, dass es neben der Möglichkeit der Vorbestellung auf vielfachen Wunsch erstmals auch einen Vorverkauf geben wird. Über die Internetseite des Festivals sowie an ausgewählten Vorverkaufsstellen können sich Filmfreunde ihre Plätze auf der Insel Stein sichern.

Nur eines können die Veranstalter auch bei der zweiten Auflage nicht garantieren: Dass das Wetter sich ähnlich prachtvoll zeigt wie bei den Ersten Wörlitzer Filmtagen. „Wir hoffen, dass sich der Spätsommer erneut in bester Festivallaune präsentiert. Von grauen Wolken oder ein paar Regentropfen lassen wir uns die Kinoabende aber auch nicht verderben“, verspricht Thomas Ohrmann.

Ideenreichtum, Optimismus und ein aufgeschlossenes Publikum waren die Erfolgsfaktoren für die Ersten Wörlitzer Filmtage. Und so wie es aussieht, wird auch die Fortsetzung wieder zu einem entspannt-sympathischen Festivalerlebnis im Herzen Anhalts. Die Weichen jedenfalls sind gestellt.

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