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Hubert Kah
Hubert Kah© Carsten Stolze

Hubert Kah und das andere Ich

Veröffentlicht am Freitag, 01. Dezember 2017

Mit Hits wie „Sternenhimmel“ oder „Rosemarie“ feierte Hubert Kah auf dem Höhepunkt der „Neuen Deutschen Welle“ 1982 seinen Durchbruch. Als Autor und Produzent war er aber auch an fast allen großen Erfolgen der Pop-Sängerin „Sandra“ beteiligt und lieh Talent und Stimme so unterschiedlichen Künstlern wie Sally Oldfield, „Münchener Freiheit“ oder Juliane Werding. Dass er nun als Sänger der NDH-Band „Herren“ auf der Bühne steht, dürfte selbst seine größten Fans überrascht haben. Aber für Überraschungen ist der sympathische Schwabe ohnehin gut. Da kann es auch mal passieren, dass er mitten im LEO-Telefoninterview seine Verlobte Lilo an den Hörer holt, damit der Interviewer ihr bestätigt, dass die Frage zum Videodreh keinesfalls abgesprochen war, damit er eine Liebeserklärung an sie los wird. Und nein, sie war es wirklich nicht.

Sie können auf eine über 35-jährige Musikkarriere zurückblicken. Welchen Stellenwert nimmt nun das Projekt „Herren“ ein?

Hubert Kah: Es genießt eine ähnliche Priorität wie meine eigene Karriere als Hubert Kah. Aber ich bin auch kein Freund der Bezeichnung „Projekt“, denn bei „Herren“ ist es natürlich schon mehr als das. Ich konzentriere mich ja ganz bewusst nur noch auf diese beiden Sachen. Damit bin ich auch ganz gut ausgelastet, wenn man davon ausgeht, dass ich jetzt zwei Alben pro Jahr machen muss. Da ist für andere Sachen dann auch kein Platz mehr. Das ist also kein Projekt für mich, sondern mein Alter Ego, also wirklich eine Herzensangelegenheit.

Ihr Alter Ego ist in diesem Fall also „Hubert von Herren“ und als Hubert Kah sind Sie noch gesondert unterwegs?

Hubert Kah: Genau. Dieses Alter Ego hat eigentlich schon immer das Bedürfnis gehabt, in einer Band zu spielen, wo es richtig männlich zur Sache geht. Wo man schon allein über den Groove als Sänger fast nichts mehr machen muss, wenn man auf die Bühne kommt. Einfach, weil der Groove schon so animiert, dass die Leute allein durch den Rhythmus dabei sind. Und nachdem Hubert Kah musikalisch immer zwischen den Welten umherspringt, ist so etwas in meiner Solokarriere nicht so gegeben. Der zweite Gedanke war, dass ich schon immer mal auf der Bühne die Sau rauslassen wollte. Und das geht eben nur bei einer Metalband.

Zu „Herren“ kam ich wie die Jungfrau zum Kind. Der bisherige Sänger hatte sich entschieden, die Band zu verlassen, weil er Stimmprobleme hatte, aber auch ein Studium beginnen wollte. Wenn man Musik auf professionellem Niveau machen will, lässt sich das nicht vereinen. Dadurch kamen wir quasi zusammen. Ich habe natürlich meine musikalischen Ideen einfließen lassen.

Es ist zwar selbstverständlich teilweise sehr direkt und NDH-mäßig, es ist aber auch irgendwie ein Sound, der sich aus diesem Urgrund nach oben schraubt, eben in diese „Neue Deutsche Herrlichkeit“, der eben anders ist als das, was man bisher in dieses Format NDH eingeordnet hat. Dafür ist die Musik viel zu ziseliert, viel zu luftig und ambivalent. Da konnte ich auch zum ersten Mal zeigen, dass ich schreien kann, dass ich zärtlich und normal singen kann. Es ist für mich auch als Sänger ein ganz tolles Album geworden, weil ich mir meine eigene Bandbreite zeigen konnte. Ich freue mich, wenn ich das Album durchhöre und es hat so viele verschiedene Gesänge – und trotzdem ist jeder Gesang Hubert Kah.

Thilo und Henry von Herren beschreiben das Kennenlernen als feucht-fröhliches Gelage und Liebe auf den ersten Blick. Wie war es aus Ihrer Sicht?

Hubert Kah: Liebe auf den ersten Blick würde ich so unterschreiben, beim feucht-fröhlichen Gelage war ich wahrscheinlich nicht mehr dabei. (lacht) Nein, es passt wirklich kongenial zusammen. Das bisherige Feedback der Leute ist auch, dass sie beim Durchhören des Albums nicht das Gefühl haben, dass da ein Sänger irgendwie auf die Musik gesetzt und passend gemacht wird, sondern dass es in einer Einheit zueinander steht und überzeugend ist.

Die Integration von Hubert Kah als Sänger von „Herren“ scheint gelungen zu sein. Das konnte man sich ja vorher gar nicht vorstellen. Wenn man einen NDH-Fan gefragt hätte, ob der Hubert Kah vom „Sternenhimmel“ der richtige Mensch für eine NDH-Band ist, wäre die Antwort wohl relativ eindeutig gewesen.

Das erste Video „Liebessachen“ ist bereits erschienen und passend zum Titel recht erotisch angehaucht. Was können Sie zu den Dreharbeiten sagen?

Hubert Kah: Die Dreharbeiten liefen völlig nüchtern, für manchen vielleicht auch ernüchternd, ab. (lacht) Einerseits verspürte ich nicht die persönliche Geilheit, den beiden jungen Damen an den Hintern zu fassen, ich bin schließlich Profi. Und außerdem bin ich ja sehr glücklich verlobt.…(ruft laut nach Lilo, seiner Verlobten)… Jetzt denkt sie natürlich, dass wir die Frage extra abgesprochen hätten. Ich reiche mal kurz weiter.…(Es folgt ein kurzer, freundlicher Austausch inklusive Garantie durch den Interviewer, dass keine Absprachen getroffen wurden)

Mit „Neuer Deutscher Härte“ ist ja auch ein gewisses Image verbunden. Ist das für Hubert von Herren auch ein bisschen ein Spiel damit?

Hubert Kah: Es soll ja kein Imagewechsel sein. Aber man kann innerhalb des Konzeptes von „Herren“ Hubert Kah als Sänger finden und ihn dort singend antreffen, wie er bisher auf den eigenen Platten noch nicht gesungen hat. Aber man kann auch den antreffen, den man von den Soloplatten kennt. Und ich freue mich darüber, dass ich das als Sänger so tun konnte.

Am 16. Dezember feiern „Herren“ das Album und den Jahresabschluss im Dessauer Beatclub. Wie wichtig sind solche „Heimspiele“ als Musiker?

Hubert Kah: Für mich ist es ja kein Heimspiel. Aber allgemein gesprochen können solche Heimspiele einerseits beflügeln, andererseits aber auch belasten. Ich mache einfach meine Arbeit, dann wird das schon.

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