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Dr. Eckardt von Hirschhausen
Dr. Eckardt von Hirschhausen "Wunderheiler"© Michael Zargarinejad

"Ich habe nie den Beruf gewechselt, nur den Spielort"

Veröffentlicht am Mittwoch, 25. Januar 2017

Dr. Eckart von Hirschhausen ist Deutschlands beliebtester Mediziner. Mit seinen Kabarettprogrammen und Büchern sowie als Moderator vermittelt er Fachwissen so, dass es jeder Laie versteht – und sich dabei auch noch bestens unterhalten fühlt. Hirschhausens Terminplan ist prall gefüllt, seine Auftritte sind äußerst begehrt, auch sein Gastspiel in Dessau am 6. Februar ist längst ausverkauft, hinzu kommt ein umfangreiches ehrenamtliches Engagement. Dennoch nahm sich der Publikumsliebling etwas Zeit für unser LEO-Gespräch, um über seine Arbeit zu sprechen, die Leidenschaft und Mission zugleich ist.

Ihr Medizinstudium haben Sie sich unter anderem als Zauberer finanziert, in Ihrem aktuellen Programm „Wunderheiler“ bringen Sie sozusagen beide Professionen zusammen. Warum lassen wir uns, wenn es um ein hohes Gut wie die Gesundheit geht, so schnell von „Hokus Pokus“ blenden?

Dr. Eckardt von Hirschhausen: Die Wissenschaft hat die Magie aus der Medizin vertrieben, aber nicht aus uns Menschen. Wir denken in weiten Teilen sehr magisch und nicht vernünftig. Und wir geben auch gerne Verantwortung für unsere Gesundheit und unser Wohlergehen ab, ob ans Universum oder die Ärzte. Gegenfrage: Wie viele Menschen kennen ihr Sternzeichen? Und wer kennt seinen Blutdruck? Wovon glauben Sie ernsthaft, hängt die Qualität Ihres Lebens langfristig eher ab?

Wann reifte in Ihnen der Entschluss, die Praxis gegen das Mikrofon zu tauschen?

Dr. Eckardt von Hirschhausen: Warum glauben Sie, dass es sich um verschiedene Berufe handelt? Früher gab es in vielen Kulturen den Medizinmann, der Heilungskundiger und Showman zugleich war. In „Wunderheiler“ spreche ich genau darüber, dass die Medizin eine große psychologische Dimension hat, die eben nicht rein rational ist – und deshalb auch so viel Potential für die Komik bietet. Für Humor, Theater und Kabarett habe ich mich von Kind auf begeistert, kam aber nie auf die Idee, das zum Beruf zu machen. Als ich nach meinem Medizinstudium zunächst im Krankenhaus arbeitete, wurde mir klar, dass viele Krankheiten, mit denen ich dort konfrontiert wurde, verhindert werden könnten. Da habe ich mich gefragt, ob ich nicht besser früher ansetze, bevor die Menschen erkranken.

Wenn ich auf der Bühne stehe und an einem Abend 2.000 Menschen erreiche, dann ist das inhaltlich gar nicht so viel anderes, als was ich den Patienten in einer Klinik für Psychosomatik erzählen würde. Doch dort müsste ich mit jedem einzeln reden, wofür ich einfach viel zu ungeduldig bin. Und wenn mir heute im Fernsehen Millionen Menschen zuhören, dann hätte ich für den gleichen Effekt in der Klinik sehr viele Jahre gebraucht.

Ich habe also nur neue Verbreitungswege entwickelt, um Menschen klar zu machen: Viele unsere körperlichen und seelischen Probleme haben mit der Lebensführung zu tun, und damit, wie wir mit uns und anderen umgehen. Und Gesundheit ist nicht die Abwesenheit von Krankheit sondern mit dem Körper, so wie er ist, Lebensfreude zu haben.

Wie reagieren eigentlich Mediziner auf Ihre Arbeit?

Dr. Eckardt von Hirschhausen: Die ersten Jahre wurde ich belächelt, das hat sich geändert. Ich spreche auf vielen Ärztekongressen, z.B. bei den Internisten über die Misere, dass Kinder in Deutschland wieder völlig unnötig an Masern sterben, weil viele Eltern auf diffuse Vorurteile gegen die Impfung mehr hören als auf Vernunft und Verantwortung.

Ich spreche bei einem Diabetologenkongress darüber, wie eng Übergewicht mit der seelischen Gesundheit zusammenhängt, und bei dem Kongress für Epilepsie ermutige ich die Patienten. Mich sorgen viele Entwicklungen, gerade auch wie mit den Pflegekräften in Deutschland umgegangen wird, wie viel die Ökonomisierung der Medizin auf Kosten von Zuwendung, Gespräch und menschlichem Kontakt geht und wo die Wege sind, etwas zu verändern.

Wenn Sie Anfang Februar in Dessau auftreten, ist das für Ihren Pianisten Christoph Reuter ein Heimspiel. Inzwischen wandelt er selbst auf Kabarett-Solopfaden. Sehen Sie sich ein wenig als sein Mentor? Und hat er Ihnen andersherum vielleicht ein paar Insidertipps zu seiner Heimatstadt gegeben?

Dr. Eckardt von Hirschhausen: Christoph und ich sind seit über 10 Jahren auf der Bühne, da lernen wir beide voneinander. Klar hat er mir von Dessau vorgeschwärmt, wobei ich schon einmal in dem herrlichen Theater aufgetreten bin, daher war keine Überzeugungsarbeit nötig. Wir werden ein besonderes Lied für den Abend ins Repertoire nehmen, in dem es um die deutsch-deutschen Wortschätze geht. Über seine Solokarriere freue ich mich sehr, und habe an dem ersten Programm auch aktiv mitgearbeitet. Die heilende Kraft der Musik wird auch bei unserem gemeinsamen Auftritt ein großes Thema sein - wir füllen Musik sogar in Flaschen ab - lassen Sie sich überraschen, es wird sehr lustig.

Sie sind als Kabarettist, Autor und Moderator äußerst beliebt und erfolgreich. Gibt es trotzdem Momente, in denen Sie überlegen, wie es wäre, „nur“ als Arzt zu arbeiten?

Dr. Eckardt von Hirschhausen: Ich bin doch immer noch als Arzt tätig! Wenn ich Menschen etwas hoffentlich Substantielles über Medizin und Psychologie näher bringe, hätte ich dafür in der Klinik über 10 Jahre gebraucht. Durch meine Stiftung „HUMOR HILFT HEILEN“ habe ich sehr viel Kontakt zu Krankenhäusern. Ich bin zwar aus der täglichen Versorgung und der Routinearbeit raus, aber den Kontakt zur Medizin habe ich immer gehalten und werde viel für Kongresse und Vorträge gebucht.

An der Uni Gießen habe ich sogar einen Lehrauftrag, einer neuen Generation von Medizinstudenten den Wert von verständlicher Sprache und von Humor in der Kommunikation näher zu bringen.

So gesehen, habe ich nie den Beruf gewechselt, sondern nur den Spielort. Bleibt nur noch die Frage: wann werden die Eintrittskarten zu meinem Programm von der Kasse übernommen?

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