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Peer Gynt© Matthias Hainke, theaterBurg rosslau e.v.

"Peer Gynt" zum Jubiläum

Veröffentlicht am Mittwoch, 28. Juni 2017

Mit „Der Untergang des Hauses Usher“ fing alles an. Die Wasserburg Roßlau wurde für einige Sommerwochen des Jahres 1997 erstmals zur Theaterkulisse, damals noch unter Federführung der „Lenz Bühne“. Es folgten berühmte Bühnenwerke von Goethe, Kleist und Shakespeare, aber auch zeitgenössische Stoffe. Aus dem Experiment „Burgtheatersommer“ wurde eine alljährliche Tradition, die vom 26. Juli bis 19. August in ihre 20. Ausgabe geht.

„Peer Gynt“ von Henrik Ibsen steht in diesem Jahr auf dem Spielplan des „Burgtheatersommers“. Aber nicht nur der „nordische Faust“ wird auf dem malerischen Gelände der Wasserburg Roßlau zu sehen sein, auch das Kindertheater „Die Purpurrote Blume“ und ein Konzertabend mit Liedermacher Karl Neukauf sind Teil des Programms. Es spielen Studenten und Absolventen des Michael Tschechow Studio Berlin. Auch das Team hinter den Kulissen hat seinen Ursprung in der Hauptstadt. Zum 20. Geburtstag sprach LEO mit Benjamin Kolass, Vorsitzender des 2005 gegründeten Vereins „theaterBurg Roßlau“, Produzent und Sprecher des sommerlichen Theaterfestivals in Personalunion.

Haben Sie in den Anfangsjahren mit diesem anhaltenden Erfolg gerechnet? Benjamin Kolass: Überhaupt nicht! Im ersten Jahr kamen in acht Aufführungen gut 300 Gäste. Wer hätte gedacht, dass wir uns mal am Zehnfachen messen?

Was hat Sie anfangs am Theaterprojekt vor sommerlicher Burgkulisse gereizt? Benjamin Kolass: Die Burg selbst war faszinierend und dann die Begegnungen in Roßlau! Wir waren eine Hand voll Idealisten aus der Hauptstadt, auf der Suche nach einem Abenteuer in der Provinz. Und auch wenn wir manchmal arrogant daherkamen, wir waren willkommen. Vom Burgwirt bis zum Bürgermeister standen die Roßlauer hinter dem Burgtheatersommer. Schnell war deutlich: Hier werden wir ernst genommen, hier macht Theater Sinn.

Wie hat sich das Sommertheater im Laufe der Jahre verändert? Benjamin Kolass: Von Jahr zu Jahr kommen mehr Gäste, das hat uns Mut gemacht. Wir haben uns an große Stücke gewagt, haben Zusatzveranstaltungen wie das Kindertheater dazu genommen, das ebenfalls sehr geschätzt wird, oder das Konzert mit Karl Neukauf. Der rote Faden ist die Herausforderung, den außergewöhnlichen Spielort zu verwandeln und damit unsere Gäste immer wieder neu in den Bann zu ziehen.

Wie fast alle kulturellen Angebote könnte es auch den Burgtheatersommer ohne Sponsoren und Förderer nicht geben. Ist jeder Sommer auch ein kleiner Existenzkampf um die Finanzierung, oder laufen Ihnen die Unterstützer inzwischen die Burgtore ein?
Benjamin Kolass: Der Existenzkampf bleibt. Ein größeres Budget bringt sogar mehr Risiko. Wir müssen auch nach 20 Jahren jedes Jahr das komplette Budget neu beantragen und einwerben. Es gibt keine feste Infrastruktur, keine Anstellungen. Wenn wie 2010 und 2012 im Frühsommer, mitten in der wichtigsten Planungsphase, eine Absage der Landesförderung kommt, sind wir tot. Das ist ein grundsätzliches Problem: In der Kulturpolitik und beim Tourismus-Marketing zählen die Superlativen, die „Leuchttürme“. Für einen einzigen Sachsen-Anhalt-Tag gibt das Land mehr Geld aus als für alle 20 Burgtheatersommer der letzten Jahre zusammen. Bei den Werbeplätzen bezahlen wir aber dieselben Tarife wie Luther & Co. Unsere Lebensader ist ein fragiles Netzwerk aus Unterstützern, die zum Glück fast jedes Jahr dabei sind. Lotto-Toto, das Land, die Stadt Dessau-Roßlau, aber auch immer wieder Förderer aus anderen Bundesländern. Wir arbeiten real am Länderfinanzausgleich!

Was erwartet die Besucher im Jubiläumsjahr auf der Wasserburg Roßlau? Benjamin Kolass: Uns erwartet Peer Gynt, der Träumer, Fantast, Außenseiter, Draufgänger, Quer-denker, das Genie! Er ist größenwahnsinnig wie Faust, aber viel näher an der Natur, am Märchen-haften, an der Fabelwelt. Das Stück ist eigentlich ein einziges Märchen. Mich persönlich fasziniert, wie die Regisseurin Andrea Pinkowski mit dem Ensemble in die Arbeit eingestiegen ist. Wir haben in diesem Jahr ein junges, sehr motiviertes Ensemble. Dementsprechend viel Bewegung und Spielfreude ist zu erwarten, das war schon bei den ersten Proben spürbar.

Wie sehen die Zukunftspläne für den Burgtheatersommer aus?
Benjamin Kolass: Die Herausforderung besteht weiterhin darin, interessante Stoffe der Theaterliteratur spannend zu erzählen. Letztendlich wollen wir unseren Gästen einen schönen, anregenden und unterhaltsamen Abend bieten. Daneben besteht die Hoffnung, dass sich die Burg baulich weiterentwickelt. Es gäbe viele schöne Möglichkeiten, sie intensiver zu nutzen. Der Kontrast von Burg und Bauhaus macht Dessau-Roßlau erst richtig interessant.

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