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Juli 2017
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Ab nach draußen!

Veröffentlicht am Dienstag, 25. April 2017

Wenn die Tage länger werden, die Natur sich in voller Blüte zeigt und die Sonne für angenehme Temperaturen sorgt, hält es Niemanden mehr in den heimischen vier Wänden. Insbesondere unsere Region mit ihren abwechslungsreichen und zu großen Teilen ursprünglichen Landschaften lädt zu Radtouren und zum Wandern ein. Gerade bei sommerlichem Wetter ist aber eines unvermeidbar: irgendwann kommt der Durst – und auch der wird am besten unter freiem Himmel gestillt.

1812, also vor etwas über 200 Jahren, wurde offiziell der erste Biergarten der Welt genehmigt. Dass dies gerade in Bayern geschah, lag nicht nur an der fast legendären Vorliebe der Bajuwaren für den Gerstensaft, sondern hatte ganz praktische Gründe. Das vorwiegend getrunkene untergärige Bier benötigte zur Reifung Temperaturen zwischen vier und acht Grad und musste auch unter ähnlichen Bedingungen gelagert werden, da die Pasteurisierung erst über 50 Jahre später erfunden wurde und Kühlschränke sogar noch länger auf sich warten ließen.

In den wärmeren Monaten auf Bier zu verzichten, war weder für die Konsumenten noch für die Brauer eine Option. Daher legten sie tiefe Bierkeller an, die, im Winter mit Eis gefüllt, für eine ganzjährige Kühlung sorgten. Zur weiteren Temperatursenkung wurden über den Kellern schattenspendende Kastanien gepflanzt und Kies als zusätzliche Isolationsschicht verteilt. Schnell stellten die Brauer jedoch fest, dass diese Maßnahmen nicht nur ihrem Bier gut taten, sondern auch auf dessen Zielgruppe eine besondere Anziehungskraft ausübten. Die Kombination aus sommerlichem Wetter, kühlen Getränken und gemütlicher Atmosphäre wurde zum bayerische Kulturgut und Exportschlager.

Heute sind Biergärten auch in unserer Region ein überaus beliebtes Ausflugsziel und Zwischenstation längerer Touren, selbst wenn ihr ursprünglicher Zweck längst von der technischen Entwicklung überholt wurde. Zu welchem Zeitpunkt des Jahres die Gastwirte erstmals zum Frischgezapften unter freiem Himmel einladen, ist dabei ganz ihnen selbst und natürlich der Witterung überlassen.

Trotzdem gibt es so etwas wie den inoffiziellen Startschuss für die Freiluftsaison. Denn die Kombination aus Fahrradtour und kühlem Bräu ist in Anhalt seit vielen Jahrzehnten untrennbar mit einem Feiertag verbunden: Christi Himmelfahrt. Die religiöse Bedeutung des Tages wurde im größtenteils konfessionslosen Osten Deutschlands kaum gewürdigt, der Männer-, Vater- oder Herrentag dagegen umso mehr. Und auch wenn sich die Herren der Schöpfung in jüngerer Zeit – mal bereit-, mal eher widerwillig – immer seltener unter sich befinden und der Männer- mehr und mehr zum Familientag wird, das Freiluftvergnügen bleibt.

Stellvertretend für die Region zeigt bereits ein Blick auf Dessau außerdem, wie vielfältig Himmelfahrt inzwischen gefeiert wird. Am Forsthaus Leiner Berg beispielsweise wurde die Männertagstradition bereits durch die Dessauer Variante des indischen Frühlingsfestes Holi abgelöst. Die farbenfrohe Open-Air-Party richtet sich mit elektronischen Beats vor allem an ein jüngeres Publikum. Das unweit gelegene Landhaus Dessau versüßt den Besuchern (und Besucherinnen) seine Himmelfahrtsparty mit Live-Musik und einem 50-Liter-Fass Freibier. An der Gaststätte „Seeblick“ in Sollnitz heizt DJ Toni gemeinsam mit einer Liveband die Stimmung an, zur Stärkung wird zudem Thüringer Mutzbraten serviert. Das „Riekchen“ im Norden der Stadt lädt dagegen ganz puristisch zum „Männertag mit Ramba Zamba“ ein. Auch in Zerbst, Köthen, Aken, in allen anderen Städten und Dörfern der Region wird der 25. Mai natürlich zum Feiern, Trinken und Sonnetanken genutzt.

Wem das alles viel zu viel Trubel ist, der kann Himmelfahrt und den Auftakt der Freiluftsaison aber natürlich auch ganz entspannt mit einem Kaltgetränk seiner Wahl im eigenen Garten oder auf der heimischen Terrasse verbringen. Die vielfältigen Möglichkeiten und Ausflugsziele auch für den Rest der warmen Jahreszeit unbeachtet zu lassen, wäre allerdings ein echter Verlust. Schließlich stellt sich ein echtes Urlaubsgefühl selten günstiger und näher ein als bei einem Ausflug an einem heißen Sommertag, mit einem kühlen Bier im Schatten einer prächtigen Kastanie. Nur die Kombination Fassbrause und Sonnenschirm hat eventuell noch einen ähnlichen Effekt – und lässt Kindheitserinnerungen wach werden.

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