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Rüdiger Hoffmann meint es nur gutLEO Glücksmoment
Rüdiger Hoffmann meint es nur gut© Veranstalter

Die Entdeckung der Langsamkeit

Veröffentlicht am Dienstag, 25. April 2017

Die unbeholfene Begrüßung „Ja Hallo erstmal…“ und sein eher bedächtiges Erzähltempo sind die Markenzeichen von Rüdiger Hoffmann. Entstanden ist die Formulierung, die nicht nur bei seinen Fans längst im Alltag angekommen ist, eigentlich als „Anti-Anfang“, mit dem der Paderborner bei seinen ersten Auftritten sein Publikum verunsichern wollte. Inzwischen ist sie ebenso Kult wie ihr Erfinder, der auch mit seinem Programm zum 30-jährigen Bühnenjubiläum aktuelle Themen und den alltäglichen Wahnsinn auf die Schippe nimmt – ganz entspannt, versteht sich.

Warum klingt Ihr Programmtitel „Ich hab‘s doch nur gut gemeint“ wie eine Entschuldigung?

Rüdiger Hoffmann: Der titelgebende Spruch beschreibt sehr schön die Rolle, die ich darstelle. Deshalb habe ich ihn gewählt. Ich schlüpfe nämlich in die Rolle von einem, der sich nach außen hin positiv darstellt, damit aber hinten herum andere Interessen verbindet. Seine eigenen, nämlich. Zum Beispiel hilft er einem Bekannten, dem Singledasein zu entfliehen und eine Frau kennen zu lernen, möchte dann die Frau aber für sich selbst.

Wie schwierig war es, Mitte der 80er Jahre abseits der gewohnten Kabarett- und Blödelpfade ernst genommen – und lustig gefunden – zu werden?

Rüdiger Hoffmann: Es war schon schwer, damals. Das, was ich gemacht habe, gab es ja tatsächlich noch nicht. Es gab nur das klassische politische Kabarett. Das Erhobene-Zeigefinger-Kabarett war noch nie meins. Da habe ich meine eigene Art entwickelt. Ich bin in meine Figuren hineingeschlüpft und habe Geschichten erzählt, die den Alltag mit seinen Absurditäten und Abgründen erträglich machen sollen, indem man darüber lacht.

Statt Schenkelklopfern setzen Sie eher auf trockenen Witz und gut platzierte Pointen. Wie bleibt man damit in Zeiten immer stärkerer Reizüberflutung erfolgreich?

Rüdiger Hoffmann: Ich glaube, gerade in der heutigen Zeit mit ihrer Hektik und Reizüberflutung genießen es die Menschen, wenn sie einfach mal dasitzen und zuhören und dabei entspannen können. Einfach mal durchatmen. Das fällt bei meinem Erzähltempo natürlich besonders leicht. Außerdem bleibe ich mir immer treu. Ich bin ein Geschichtenerzähler, der Pausen zwischen den Sätzen braucht, um Bilder in den Köpfen des Publikums zu kreieren. Langsamkeit und Authentizität, wenn Sie so wollen.

Sie machen Alltagssituationen nicht nur zum Thema, sondern verkörpern auch die dazugehörigen Typen. Wieviel Schauspiel steckt im Bühnenprogramm?

Rüdiger Hoffmann: Für meine Geschichten schlüpfe ich in die Rollen unterschiedlicher Charaktere. So sind sie authentischer. Aber in jeder Geschichte steckt auch ein Hauch Erlebnis und überspitzte Wahrheit. Ich suche in meiner Umwelt und im Alltag die Inspiration zu meinen Programmen und sammle meine Ideen quasi im wahren Leben. Die acht Kostbarkeiten sind mir beispielsweise wirklich passiert. Es lagen wahrhaftig nur sieben davon auf meinem Teller im chinesischen Restaurant.

Vor Ihrer Bühnenkarriere wollten Sie Musiklehrer werden. Was bedeutet Musik heute für Sie?

Rüdiger Hoffmann: Ich habe nach dem Abitur ein paar Semester Musik studiert, bis es dann mit dem Kabarett losging. Aber die Musik gehörte weiterhin zu meinem Leben und tut es heute noch. Deshalb setze ich mich in meinen Shows auch immer mal wieder ans Klavier und unterhalte das Publikum mit einem selbst geschriebenen Liedchen. Abwechslung muss sein.

Werden Sie von den Kollegen eigentlich manchmal beneidet, weil Sie mit verhältnismäßig wenig Text auskommen?

Rüdiger Hoffmann: Natürlich werde ich von den Kollegen beneidet, aber ich glaube, das liegt in erster Linie an meiner besonderen Anziehungskraft auf Frauen. (lacht) Um nochmal auf die sparsame Verwendung von Wörtern zurückzukommen: ich habe immer gesagt, wenn Jesus Ostwestfale gewesen wäre so wie ich, dann hätte das neue Testament auf eine DIN-A4-Seite gepasst.

Bei 30 Jahren stellt sich die Frage: was sind Ihre persönlichen Karrierehighlights? Und wie geht es in den nächsten drei Jahrzehnten weiter?

Rüdiger Hoffmann: Also ein Karrierehighlight war sicherlich die Premiere mit meinem ersten Programm in den Kammerspielen in Paderborn. Das war 1985. Dann der Auftritt im Vorprogramm der Rolling Stones vor 80.000 Zuschauern....Und meine Begegnung mit dem großartigen Loriot vor einigen Jahren. Das so als absolute Highlights.

Wie es weitergeht? Na, mit neuen Programmen, natürlich. Live vor Publikum aufzutreten ist das Größte. Das hat mir schon immer riesigen Spaß gemacht und das wird es auch noch eine ganze Weile.

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