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Das D.I.Y Bauhaus Orchestra aus Bratislava lässt zum diesjährigen Bauhausfest die Puppen tanzen. Die Puppenmusik ist an der Bauhausbrücke zu erleben.
Das D.I.Y Bauhaus Orchestra aus Bratislava lässt zum diesjährigen Bauhausfest die Puppen tanzen. Die Puppenmusik ist an der Bauhausbrücke zu erleben.© Veranstalter

Ein Dessauer Fest für die Welt

Veröffentlicht am Montag, 24. August 2015

Blau. Himmel. Meer. Ferne. Harmonie. Blau machen. Blau sein. – Eine einzige Farbe kann zahlreiche Assoziationen, Gedanken und Gefühle wecken. Viele davon sind ganz individuell, andere hat Jeder sofort vor dem geistigen Auge. Oder auch vor dem physischen, denn das diesjährige Bauhausfest steht unter dem Motto „Kollektives Blau – collective blue“.

Am 4. und 5. September wird das 18. Bauhausfest der Gegenwart gefeiert. Der Freitag verspricht als Previewveranstaltung erste Einblicke in die verschiedenen Kunstprojekte und Installationen, am Sonnabend gibt es zusätzlich mehrere musikalische Programmpunkte. Dass dabei immer wieder die Farbe Blau aufgegriffen wird, ergab sich durch Überlegungen mit dem Künstlerkollektiv „Balestra“, das vom 1. bis 4. September mit seiner Licht- und Soundinstallation „kubik“ auf dem Dessauer Marktplatz den besonderen Blickfang von „dessau open“ gestaltet. „Blau war auch die expressionistische Künstler-Gemeinschaft der „Blaue Reiter“, dem Wassily Kandinsky angehörte, Blau ist eine Grundfarbe – und wir wissen von den alten Farbfesten, dass es für die Identifikation unheimlich wichtig ist, auch eine Farbe mit anzubieten. Schon seit dem letzten Jahr ist es eine Synthese aus einer Farborientierung und dem inhaltlichen Jahresthema der Stiftung.“, erläutert Burghard Duhm, der Kurator des Bauhausfestes. Standen 2014 die Bühnenwerke Oskar Schlemmers im Mittelpunkt, soll sich diesmal Kandinskys Schaffen besonders widerspiegeln. Zum Bauhausfest trifft er auf das Jahresthema der Stiftung, „Kollektiv“. „Wir haben bei der Beschäftigung mit dem Bauhausfest nach Ansätzen des historischen Bauhauses zum Thema Festkultur und Bühne gesucht. Und neben Schlemmer war es Kandinsky, der für die Bühne viele Projekte entwarf und mit „Bilder einer Ausstellung“ 1928 sein einziges Theaterstück am Dessauer Friedrich-Theater zu seinen Lebezeiten realisieren konnte. Bei dieser Arbeit haben wir weiterhin entdeckt, dass Kandinsky mit Klee, Jawlensky und Feininger als Kollektiv „Die Blaue Vier“ auftraten. Dadurch war es natürlich sehr naheliegend, die Themen Kandinsky und Kollektiv zusammenzubringen.“, so Duhm. Auf den ersten Blick mag das Wort Kollektiv ein wenig antiquiert wirken. Und trotzdem ist es heute mindestens so aktuell wie vor 90 Jahren – auch wenn es nun beispielsweise „Networking“ genannt wird. Und letztendlich ist auch jedes einzelne Bauhausfest ein Kollektivereignis, wie Burghard Duhm betont: „Ein Fest kann nur funktionieren, wenn Viele das Fest tragen. Es gehören nicht nur die Künstler und Studenten dazu, sondern alle Gastronomen, Techniker und Menschen hinter den Kulissen. Da sind also ganz verschiedene Leute dabei, und natürlich gehört zu diesem Gemeinschaftserlebnis auch das Publikum, die Gäste. “ Den Auftakt für das Bauhausfest am Sonnabend bildet wieder der Umzug vom Anhaltischen Theater zum Hauptveranstaltungsort. „Der Umzug ist ein sehr wichtiges Bindeglied vom Open Air über die Hochschule zum Bauhaus. Es ist auch einfach ein schönes Ritual, gemeinsam zum Bauhaus zu laufen. Und eben nicht nur zu laufen, sondern unterwegs auch etwas zu erleben. Daher ist es genauso wichtig wie die Farbe, es ist eben auch noch so ein Stückchen altes Farbfest.“. Selbstverständlich sind auch alle Besucher aufgerufen, sich in Blau zu hüllen. Die alltägliche Blue Jeans ist dabei aber sicherlich zu einfach gedacht. Die Gastgeber wünschen sich, dass auch das Thema „Kollektiv“ erkennbar wird, setzten der Fantasie aber natürlich keine Grenzen. Schon beim Umzug soll zudem der musikalische Schwerpunkt erkennbar werden: osteuropäische Klänge nämlich, die nicht nur durch Wassily Kandinsky, sondern durch die gesamte Musikkultur des historischen Bauhauses geprägt sind. Der Swing als zentraler Tanz der 20er Jahre soll ebenfalls besondere Würdigung finden. Erstmals wird in der Vorwoche des Festes dazu gemeinsam mit der Tanzfabrik Dessau auch ein entsprechender Kurs für interessierte Besucher angeboten. „Es ist eine Premiere, dass sich die Musik so in das Programm einfügt. Bei den bisherigen Festen stand die Musik manchmal sehr im Mittelpunkt, gerade bei den ersten Farbfesten, dann stand sie manchmal etwas daneben, und jetzt versuchen wir, auch das musikalische Programm ein Stückchen näher an das Thema zu bringen.“, so der Festkurator. Swing kann unter anderem mit „Schwung“ übersetzt werden. Und diesen neuen Schwung verspricht „Kollektives Blau – collective blue“, insbesondere in Kombination mit den einleitenden „dessau open“, dem Dessauer Bauhausfest zu geben. Gerade im Hinblick auf das große Jubiläum 2019 hoffen die Organisatoren, hier den Grundstein für etwas ganz Besonderes zu legen: „Wir haben die Vision, dass das Bauhausfest und dessau open sich gemeinsam zu einem großen, europäischen Kunst- und Kulturfest entwickeln. Dass Dessau die Stadt wird, über die Leute aus ganz Europa einmal im Jahr sagen ‚Da wollen wir hin!‘ Das wäre unser Wunsch, ein ganz großes Ziel. Es geht nicht darum, mit nationalen und internationalen Künstlern, Gastaltern und Partnern zu inszenieren – und die Dessauer gucken zu. Es geht darum, dass die Veranstaltungen von hier getragen werden: von den Institutionen und den Bürgern der Stadt – und es kommt die ganze Welt.“

LEO Dates Bauhausfest

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