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Juni 2018
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Das Bauhauserbe im Dreiklang

Veröffentlicht am Sonntag, 28. August 2016

2013 luden die drei Bauhaus-Städte Berlin, Dessau und Weimar erstmals gemeinsam zur „Triennale der Moderne“ ein. Ziel war es, die Architektur der Moderne stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu bringen, aber auch den Auftakt einer langfristig angelegten Initiative zu markieren, die zu einem internationalen Netzwerk der zum UNESCO-Welterbe erklärten Bauten führt. Vom 23. September bis 9. Oktober findet nun die zweite Triennale statt. Das Auftaktwochenende wird in Dessau begangen.

Angesichts des Einflusses, den das Bauhaus auf Architektur, Kunst und Design der Gegenwart genommen hat, gerät schnell in Vergessenheit, dass die Schule insgesamt lediglich 14 Jahre existierte. Entsprechend nah beieinander liegen daher auch die Jubiläen. Während die Vorbereitungen für den 100. Bauhausgeburtstag im Jahr 2019 schon auf Hochtouren laufen, kann in diesem Jahr bereits das 90-jährige Bestehen der Dessauer Bauhausbauten begangen werden. Der Jahrestag bildet Motto und Schwerpunkt des Auftaktwochenendes der „Triennale der Moderne“ vom 23. bis 25. September. Über 30 Einzelveranstaltungen bieten das Kulturamt Dessau-Roßlau und die Stiftung Bauhaus Dessau im gesamten Stadtgebiet an. Führungen zu und in den Gebäuden gehören ebenso dazu wie Vorträge und Diskussionen, Workshops, Aktionen im öffentlichen Raum und kulinarische Angebote.

1926 wurde Dessau zur Pilgerstätte für Anhänger der modernen Architektur. Das Bauhausgebäude und die Meisterhaussiedlung wurden eingeweiht, die ersten Häuser der Bauhaussiedlung Törten entstanden. Bauhausgründer Walter Gropius, für den die industrielle Moderne eng mit der Notwendigkeit verknüpft war, menschliche Freiräume zu schaffen, reduzierte die architektonische Formensprache auf das Wesentliche. Licht, Luft und Sonne, Transparenz und Klarheit wurden zu herausragenden Merkmalen der Moderne.

Diese Merkmale finden sich auch im 1929 eröffneten Historischen Arbeitsamt, heute Sitz des Dessau-Roßlauer Amtes für Ordnung und Verkehr. Im Rahmen der „Triennale der Moderne“ ist es Veranstaltungsort einer Licht-Klang-Installation des Künstlerkollektivs „dunutztmichnuraus“ aus Halle. Unter dem Titel „Supervision“ möchten die fünf Künstler den Besuchern neue Sichtweisen ermöglichen. „Unsere Installation wird im Flurbereich des Rundbaus insgesamt sechs Positionen bespielen. Dabei laden weiß erleuchtete Monitore den Besucher dazu ein, den Raum auf individuelle Weise zu erfahren und zu hinterfragen. Die Monitore sind so modifiziert, dass sie nur demjenigen ihr Bild offenbaren, der sie aus einer vorher festgelegten Perspektive betrachtet. Zusätzlich wird den Besucher durch die Krümmung des Ganges an jeder Position ein eigener, modifizierter Raumklang umgeben.“, erläutern „dunutztmichnuraus“, die durch den australischen Installationsdesigner und Medienkünstler Matthew Gingold unterstützt werden. „Supervision“ kann sowohl im wörtlichen Sinne als „Über-Blick“ als auch im heute gebräuchlichen als Möglichkeit der (Selbst)Reflexion verstanden werden: „Entlang des audio-visuellen Pfades kann sich der Besucher in der Gegenwart verorten. Durch den ständigen Perspektivwechsel innerhalb der Installation wird er Teil der historischen Architektur. Das Spiel mit Sichtbarem und Verborgenem hinterfragt die Grenzen zwischen Intimität, Privatsphäre und Isolation im Kontext der Betrachtung des modernen Menschen.“ Neben diesem Projekt werden im bzw. am Gropius-Arbeitsamt auch zwei Installationen der Hochschule für Gestaltung Offenbach-Main zu erleben sein. „Original im Original“ lädt mit drei Breuer-Liegen, einem Stahlrohr-Tisch und einem Buch zum Perspektivwechsel in der Horizontalen ein, außen wird eine interaktive Lichtinstallation die Verbindung zwischen Gebäude und Besucher schaffen.

Besondere Erfahrungen werden am Triennale-Wochenende aber auch im Dessauer Stadtraum versprochen. Der „Parkcycle Swarm“ der Künstlergruppe „N55 & Till Wolfer“ vereint Fahrrad und Rasenfläche und wird unter anderem als fahrbare Musikbühne des Kurt Weill Festes oder für eine mobile Gedichtlesung der Anhaltischen Landesbücherei genutzt. Der Kreisverkehr „Sieben Säulen“ wird zum urbanen Platz mit Café und Radverleih, der Rasen vor dem Bauhaus zum Fußballplatz für die kleinsten Besucher. Künstlerisch-performative Spaziergänge führen durch das Stadtgebiet. Einen besonderen Akzent soll zudem die Ausstellungeröffnung „Simultanität der Moderne. Die Van-Nelle-Fabrik in Rotterdam und das Bauhaus in Dessau“ setzen. Beide Gebäude feiern in diesem Jahr 90. Geburtstag, die Ausstellung ist als gegenseitiges Besuchsprogramm der beiden UNESCO-Welterbestätten ausgelegt.

Die Beziehung von Architektur zum Raum, vom Menschen zu seinem Umfeld und sich selbst, die Schaffung und Nutzung von Freiräumen – all das sind Themen, die das Bauhaus vor fast einem Jahrhundert bewegten und die heute noch genauso aktuell sind. Die „Triennale der Moderne“ lädt zur Entdeckungsreise ein, die nach dem Dessauer Auftakt vom 30. September bis 2. Oktober in Weimar und vom 7. bis 9. Oktober in Berlin fortgesetzt wird.

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