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Jochen Distelmeyer© Sven Sindt

Jochen Distelmeyer spielt zum Kurt Weill Fest

Veröffentlicht am Dienstag, 23. Februar 2016

Als Sänger und Texter der Band "Blumfeld" prägte Jochen Distelmeyer von 1990 bis 2007 die deutsche Musiklandschaft. Die Band gilt als Mitbegründer der "Hamburger Schule", die deutschsprachige Popmusik Anfang der 90er wieder salonfähig machte. Seit 2009 wandelt Jochen Distelmeyer auf Solopfaden, auf ein neues Album mussten Fans über sechs Jahre warten. Mit "Songs from the Bottom, Vol.1" meldete sich der Sänger im Februar nun auf unerwartete Weise mit Coverversionen bekannter Pop- und Rocksongs musikalisch zurück. Über das Album und seinen Besuch zum Dessauer Kurt Weill Fest sprachen wir mit Distelmeyer bereits Mitte Dezember.

Für Überraschungen waren Sie schon immer gut. In der Nähe von Britney Spears oder Avicii hätte man Sie aber wohl nicht vermutet. Wie entstand die Idee zum neuen Album?

Jochen Distelmeyer: Ich habe überhaupt kein Problem damit, mich musikalisch in der Nähe von Britney Spears und Avicii aufzuhalten. Zum Album ist es so gekommen, dass ich im Zuge meiner Lesereisen zu meinem Roman "Otis" auch Stücke gespielt habe. Immer nur ein paar, die für mich mit dem Buch oder mit der Odyssee, um die es im Roman ja auch geht, zu tun hatten. Und nach den Lesungen kamen regelmäßig Leute aus dem Publikum zu mir und haben gefragt, ob ich das schon aufgenommen hätte, ob man es irgendwo kaufen kann. Und weil das nicht so war, ich aber eigentlich jeden Abend darauf angesprochen wurde, dachte ich mir nach Ende dieser mehrwöchigen Lesereise, dass man das machen müsste. Also bin ich vor kurzer Zeit ins Studio gegangen und habe die Sachen aufgenommen. So einfach kann es gehen. Und das ist auch das Schöne dabei.

"Songs from the Bottom" kann „aus tiefstem Herzen“ oder auch "von ganz unten" heißen. Wie ist es gemeint?

Jochen Distelmeyer: Es ist genau beides gemeint. Dieses Oszillieren oder Schwingen zwischen diesen beiden Bedeutungen fand ich beim Zusammenstellen der Stücke sehr reizvoll und schön. Für mich als Sänger heißt es erst einmal grundsätzlich „From the Bottom of the Heart“, wie Stevie Wonder gesungen hat, vom Grund des Herzens. Aber es hat eben auch im Anschluss an „Otis“, bei dem es um diverse Hades-Fahrten geht, mit dem Abstieg in Unterwelten, zum Grund, wenn man so will, zu tun.

Wie wird aus einem Lieblingslied Ihre ganz persönliche Version, beispielsweise aus dem Pop-Hit „Toxic“ ein Bluestitel?

Jochen Distelmeyer: Ich fand es einfach einen tollen Song. Wenn man es aus der Perspektive eines Typen singt, steckt darin für mich auch ein Blues-Thema. Und weil das eine Musikform ist, die mich über viele Jahre begleitet und mich immer interessiert hat, und weil ich Bluesmusiker sehr schätze, war es irgendwie naheliegend, das auch direkt wie einen Bluessong aufzufassen.

Am 5. März sind Sie im Rahmen des Kurt Weill Festes unter dem Titel "Liederkunst der Gegenwart" im Beatclub Dessau zu Gast. Welche Liederkunst bringen Sie zu Gehör?

Jochen Distelmeyer: Tatsächlich Stücke, die ich für das Album aufgenommen habe, vielleicht auch noch die eine oder andere weitere Coverversion. Ich bin jetzt gerade dabei, zu gucken, wie ich das Repertoire auch mit eigenen Songs mischen kann. Vorrangig werden es aber Coverversionen sein.

Und das gibt es dann in Solo-Besetzung?

Jochen Distelmeyer: Ja, fast. Ich werde sicherlich noch von Daniel Florey begleitet werden, mit dem ich auch das Album aufgenommen habe. Er hat bei einigen Stücken zweite Gitarre oder Klavier gespielt. Und in den nächsten Wochen gucken wir gemeinsam, mit welchem Programm wir vorbei kommen.

Haben Sie einen persönlichen Bezug zu Kurt Weill?

Jochen Distelmeyer: Den habe ich tatsächlich, als Bewunderer und Hörer seiner Musik. Und als jemand, der sich auf eine Art auch in seiner Tradition sieht, was diese Liedform betrifft. Er war ein Hit-Produzent seiner Zeit.

Und in seiner Zusammenarbeit mit Brecht war er auch sehr gesellschaftskritisch, was man Ihnen ja ebenfalls "nachsagt"...

Jochen Distelmeyer: Zumindest war er auch ein Künstler, der das Eine nicht vom Anderen trennt. Er hat schon damals das Private und das Politische als etwas betrachtet, das miteinander zu tun hat. Insofern stellte er das auch in seiner Musik und seinen Liedern dar. Das verbindet uns.

Wenn man sich Ihren Tourplan ansieht, wirkt Dessau neben München, Dresden oder Hamburg eher beschaulich. Was verschafft uns die Ehre?

Jochen Distelmeyer: Ich bekam die Anfrage über meine Booking-Agentur und fand es im Rahmen des Kurt Weill Festes total passend und schön. Und ich habe mich geehrt gefühlt, eingeladen zu werden. Also habe ich auch sofort zugesagt.

Coversongs sind zwar toll, aber wann gibt es endlich wieder neue Lyrik aus der eigenen Feder?

Jochen Distelmeyer: Ich war nach Abschluss der Lesereise eigentlich schon wieder selbst mit den neuen, eigenen Sachen beschäftigt und habe bereits daran gearbeitet. "Songs from the Bottom" haben wir als Dankeschön für die Fans dazwischen geschoben. Ich dachte mir, wenn man das schnell und knackig im Studio hinkriegt, dann schließt man damit sozusagen das Jahr 2015 ab, bevor ich dann im nächsten Jahr wieder mit neuen Sachen zu hören sein werde.

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