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LEO Tagestipp
© Neue Fruchtbringenden Gesellschaft

400 Jahre Sprachpflege

Veröffentlicht am Mittwoch, 24. Mai 2017

In Köthen wird am 15. und 16. Juni das 400. Gründungsjubiläum der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ begangen. Gastgeber ist die „Neue Fruchtbringende Gesellschaft“, die in diesem Jahr ihr 10-jähriges Bestehen feiert. Gemeinsam ist ihnen ein Ziel, das nichts mit Obstanbau zu tun hat, wie man als Unbedarfter aufgrund des Namens vermuten könnte: der Erhalt und die Förderung der deutschen Sprache.

Fünf reformierte Fürsten und drei Hofleute legten 1617 den Grundstein der „Fruchtbringenden Gesellschaft“, der ersten und bedeutendsten Sprachgesellschaft Deutschlands. In ihrer Blütezeit hatte sie unter Vorsitz des Fürsten Ludwig I. von Anhalt-Köthen über 500 Mitglieder, die am Vorabend des 30-jährigen Krieges für friedlichen Austausch und Verhaltensideale warben. Insbesondere hatten sie sich jedoch den Erhalt und die Förderung der hochdeutschen Sprache zum Ziel gesetzt.

Deutsch sollte als Sprache der Gelehrten und der Dichter propagiert, Einflüsse von Fremdsprachen verhindert, vorhandene Fremdwörter eingedeutscht werden. Die Fruchtbringer nahmen aber auch auf den Gebieten Grammatik, Dichtung und Übersetzung eine Pionierrolle ein. Schon kurz nach dem Tod Ludwigs I. wurde aus der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ jedoch ein rein höfischer Ritterorden, der sich 1680 wieder auflöste.

Ihr Erbe trat im Januar 2007 die „Neue Fruchtbringende Gesellschaft“ an. In ihrer Gründungs-urkunde, der „Köthener Erklärung“, berufen sich die Mitglieder auf das historische Ziel „die deutsche Sprache als Amts-, Kultur-, Landes- und Wissenschaftssprache zu erhalten, zu pflegen, zu schützen und weiterzuentwickeln“. Jede Muttersprache sei für die Verständigung, das Denken, die Kultur und das Selbstbewusstsein von unschätzbarem Wert, angesichts der bedrohten Einheitlichkeit der Sprache und Rechtschreibung müsse jeden Tag aufs Neue um eine verständliche deutsche Sprache gerungen werden.

Dass diese Ansichten nicht ganz von der Hand zu weisen sind, lässt sich jederzeit mit dem Besuch eines beliebigen Internetforums und der Lektüre einiger „Twitter“-Nachrichten überprüfen. Oder durch einen Besuch des „Köthener Sprachtag“ zum Jubiläumsjahr, mit einem „Kinder- und Jugendtheatertag“ und kleinen Volksfest der deutschen Sprache am 15. Juni sowie dem Festkolloquium „ÜBERsetzen – überSETZEN“ mit anschließender Ausstellungseröffnung am 16. Juni.

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