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Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau
Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau© Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf

Seiner Zeit voraus: Gedenken an „Vater Franz“

Veröffentlicht am Mittwoch, 24. Mai 2017

Am 9. August jährt sich der Todestag von Leopold III. Friedrich Franz zum 200. Mal. „Vater Franz“ ist nicht nur Begründer des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs, sondern er führte das kleine Fürstentum Anhalt-Dessau auch zu einer bis dahin einmaligen wirtschaftlichen und kulturellen Blüte, stand für Aufklärung und Toleranz. 200 Jahre nach seinem Tod soll daher nicht getrauert, sondern an ihn erinnert und sein Lebenswerk gefeiert werden.

Mit gerade einmal 18 Jahren wurde Leopold III. Friedrich Franz Regent von Anhalt-Dessau. 59 Jahre lang lenkte er anschließend die Geschicke des Fürsten- und späteren Herzogtums. Eine beeindruckend lange Regierungszeit, in der Anhalt zu einem der modernsten Kleinstaaten Deutschlands und Europas wurde. Heute wird „Vater Franz“ hauptsächlich mit dem Gartenreich Dessau-Wörlitz gleichgesetzt. Doch auch wenn das UNESCO-Weltkulturerbe das sichtbarste und eindrucksvollste Zeichen seines Wirkens ist, zeichnet es nur eine von vielen Facetten des Landesfürsten.

Für den „Fürst-Franz-Sommer“, der von Juni bis August in enger Zusammenarbeit der Stadt Dessau-Roßlau und der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz veranstaltet wird, ist daher eine Vielzahl von Veranstaltungen, Ausstellungen, Vorträgen und künstlerischen Auseinandersetzungen mit der Person des Fürsten, seiner Bedeutung und seinen Wegbegleitern geplant. Den Auftakt bildet die Schüler-Foto-Ausstellung „Work in Progress – Zur Erinnerungskultur im Gartenreich“, die ab 7. Juni in der Marienkirche Dessau zu sehen sein wird. Auf Initiative des Gymnasiums „Philanthropinum“ hatten sich Kinder und Jugendliche aller Schulformen mit dem Wirken des Fürsten, aber auch der subjektiven Bedeutung der damals bestimmenden Themen wie Aufklärung, Toleranz, Bildung, Landwirtschaft oder Architektur, auseinandergesetzt. Das „Philanthropinum“ selbst hat seine Wurzeln in der gleichnamigen „Schule der Menschenfreundschaft“, die 1774 durch den Pädagogen Johann Bernhard Basedow gegründet wurde und als eine Vorzeigeeinrichtung der Aufklärungszeit galt.

Einer schicksalshaften Männerfreundschaft widmet sich ab 17. Juni die Jahresausstellung der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz. „Revolution des Geschmacks. Winckelmann, Fürst Franz und das Schloss zu Wörlitz“ ist eine Hommage an den Gartenreichgründer und den Vater der modernen Archäologie und Kunstgeschichte. Fürst Franz hatte Johann Joachim Winckelmann, dessen 300. Geburtstag in diesem Jahr begangen wird, 1765 auf einer Italienreise in Rom kennen gelernt. Dort war der gebürtige Stendaler als Bibliothekar und Aufseher der Altertümer des Vatikan tätig. Mehrere Monate lang führte Winckelmann den Fürsten und seine Begleiter durch die antiken Stätten und Sammlungen Roms. Ein bereits geplanter Besuch Winckelmanns in Dessau kam durch die Ermordung des Archäologen nie zustande – sein Einfluss jedoch gilt als wegweisend für die Entstehung des Gartenreiches. „Wir hätten es uns auch einfach machen und den Gästen das sanierte Schloss als Denkmal für Fürst Franz präsentieren können“, so Dr. Ingo Pfeifer, Kunsthistoriker der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, „Aber ohne Winckelmanns Einfluss hätte es das Schloss nie gegeben.“ Schwerpunkte der Ausstellung sind unter anderem die vielen Elemente und Details des Schlosses, die durch die Bücher Winckelmanns inspiriert wurden. Aber auch das Wörlitzer Bildnis Winckelmanns, das einst im Dessauer Stadtschloss hing und dessen erste Fassung sich in Weimar befindet, wird eine wichtige Rolle spielen.

Welche Bedeutung das Gartenreich Dessau-Wörlitz rund 250 Jahre nach seiner Entstehung aus kultur- und kunstgeschichtlicher Sicht, aber auch für aktuelle Fragestellungen, hat, steht vom 22. bis 24. Juni im Zentrum einer Gartentagung. Kulturstiftung und Stadt haben dazu zahlreiche Referenten eingeladen, die sich der Rolle des Gartentourismus, dem Gartenreich als Wendepunkt europäischer Gartengeschichte oder der historischen wie gegenwärtigen Bedeutung von Hochwasser- und Klimaschutz widmen werden.

Die Feierlichkeiten zu Ehren von „Vater Franz“ gipfeln in einer Festwoche vom 5. bis 12. August. Am 9. August, dem Sterbetag des Fürsten, wird unter anderem eine Matinee im Schloss Wörlitz an sein Wirken erinnern, ebenso wie ein musikalischer Gondel-Corso mit Kranzniederlegung sowie eine Andacht in der Kirche St. Bartholomäi in Waldersee. Nur einen Tag später, an seinem 277. Geburtstag, eröffnet in der Orangerie und dem Fremdenhaus des Schlosses Georgium die Ausstellung „Der Fürst in seiner Stadt. Leopold Friedrich Franz und Dessau.“. Unter Federführung des Stadtarchives begibt sich die Schau auf eine Spurensuche zum Wirken des Landesfürsten in seiner Residenzstadt. „Wir holen den Fürsten aus dem Gartenreich in die Stadt und gehen mit der Ausstellung wieder zurück ins Gartenreich“, fasst es Dr. Frank Kreißler, Leiter des Stadtarchivs Dessau-Roßlau, zusammen. Auch der Gartenreichtag am 12. August wird in diesem Jahr insbesondere Fürst Franz gewidmet sein.

Mehr zu den Augustveranstaltungen gibt es demnächst im LEO.

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