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LEO Tagestipp
Architekt Van Bo Le-Mentzels sogenannte
Architekt Van Bo Le-Mentzels sogenannte "Hartz-IV-Möbel"© Max Patzig

Raum ist in der kleinsten Hütte

Veröffentlicht am Mittwoch, 28. Februar 2018

Im Jahr 2010 absolvierte der junge und arbeitslose Architekt Van Bo Le-Mentzel einen Wochenendkurs im Tischlern, der ihn zur Entwicklung seiner ersten Möbelkollektion anregte. Dem „24 Euro Chair“, inspiriert von Bauhausmeistern wie Marcel Breuer und Mies van der Rohe, folgten weitere sogenannte „Hartz-IV-Möbel“. Die Cranach-Stiftung Wittenberg widmet dem Berliner mit laotischen Wurzeln ab 10. März eine außergewöhnliche Ausstellung.

„Konstruieren statt Konsumieren“ ist das Motto von Van Bo Le-Mentzel. Seine Möbel aus günstigen Materialien sollen Menschen mit wenig Geld aber handwerklichem Geschick und Stilbewusstsein dazu ermutigen, selbst zu Gestaltern zu werden. Seine Baupläne sieht der Do-It-Yourself-Pionier als einen Weg zum sinnvollen Umgang mit ungenutzten Ressourcen, in der Gesellschaft und im öffentlichen Raum.

Die Cranach-Stiftung würdigt das achtjährige Bestehen des Projektes „Hartz-IV-Möbel“ nicht nur mit einem Blick auf dessen Entwicklungsgeschichte, sondern zeigt erstmals auch den „Weil-Chair“, der im Vitra Design Museum entstand. Einmalig dürfte außerdem das „62 cm Home“ sein: Eine 62 cm breite Einraumwohnung mit Bad, Küche und Schlafzimmer, die in eine Nische des Cranach-Hauses geschoben wird und sogar zum Probewohnen genutzt werden kann.

Auf den Außenflächen der Cranach-Höfe wird durch die „Tinyhouse University“ zusätzlich ein temporäres Dorf aus Mikrowohnungen entstehen. Die sogenannten „Tiny Houses“ sind winzige Wohneinheiten, die mobil konstruiert wurden und auf der Fläche eines PKW-Parkplatzes abgestellt werden können. Das „Tiny House Village Wittenberg“ soll als künstlerische Intervention Themen wie Migration, soziale Nachbarschaft und Bildung für eine gerechte Welt aufgreifen. Vorbild ist auch hier unter anderem das Bauhaus, in dem vor fast 100 Jahren Bildung und Bauen neu gedacht wurden.

Wer 6.000 Euro übrig hat, kann sich in einem Seminar übrigens auch sein ganz eigenes Tiny House bauen. Günstiger wird eine Übernachtung im „Tiny Hotel“. Dafür wurde die „100-Euro-Wohnung“ von Van Bo Le-Mentzel umfunktioniert, die auf 6,4 Quadratmetern Küche, Bad, Büro, Schlafzimmer und Wohnstube vereint.

Eröffnet wird die Ausstellung „Hartz-IV-Möbel & 62 cm Home“ am 9. März im Cranach-Hof. An- schließend wird außerdem zur 3. PechaKucha Night Wittenberg eingeladen.

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