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Oktober 2018
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LEO Tagestipp
Generalintendant Johannes Weigand
Generalintendant Johannes Weigand© Hartmut Bösener

Vom Kammerspiel bis zur großen Oper

Veröffentlicht am Freitag, 02. Mrz 2018

Nach der kurzen Pause im Februar startet das Anhaltische Theater Dessau mit zahlreichen Premieren in die zweite Hälfte seiner 223. Spielzeit. Klassische Werke in neuer Interpretation, Uraufführungen und Abwechslungsreichtum prägen den Premierenkalender. Von Generalintendant Johannes Weigand wollte LEO schon einmal wissen, was einige der Inszenierungen zu einem ganz besonderen Bühnenerlebnis werden lässt.

Homers "Die Irrfahrten des Odysseus" ist eines der bedeutendsten Werke der Weltliteratur. Der griechische Komponist Dimitri Terzakis vertonte für seine Fassung ausgewählte Gesänge aus der Odyssee, komponierte dazu eine Sopranstimme und überantwortete den Text einem Schauspieler. Im Alten Theater Dessau wird die Inszenierung durch Szenen des Projektionskünstlers Paul Hoffmann aus dem 19. Jahrhundert begleitet. „Regisseur Benjamin Prins zeigt Terzakis' ungewöhnliche Adaption einer der größten Menschheitsgeschichten, die wenig schulmeisterlich in einer verblüffenden Zwei-Personen-Performance dieses große Epos spritzig und vergnüglich ganz nah an den Menschen bringt“, macht der Generalintendant neugierig.

Mit seinem einzigen Roman "Das Bildnis des Dorian Gray" löste Oscar Wilde Ende des 19. Jahrhunderts einen Skandal aus. Skandalös dürfte die Ballettfassung, die am 23. März am Großen Haus als Uraufführung zu erleben ist, wohl kaum werden – dafür aber umso erlebenswerter. Ballettdirektor Tomasz Kajdanski, der mit seinen letzten Inszenierungen wahre Begeisterungsstürme auslöste, kombiniert den Sinnesrausch der Vorlage mit der Musik des russischen Komponisten Alexander Skrjabin.

"Endlich wieder ein abendfüllendes, handlungstragendes Ballett auf der großen Bühne, das eine elektrisierende Geschichte erzählt", freut sich Johannes Weigand. "Dazu die Anhaltische Philharmonie als Live-Orchester, die die eigens für uns orchestrierte, fantastische Musik des Spätromantikers Alexander Skrjabin spielt, und die Projektionen von Lieve Vanderschaeve – in vieler Hinsicht eine Uraufführung!"

"In jeder Beziehung…" heißt es am 31. März erstmals im Foyer des Alten Theaters. Die szenische Lesung, die sich Beziehungen aller Art widmet, ob zwischenmenschlich, zu bestimmten Gegenständen oder Haustieren, ist das Dessauer Debüt des Regisseurs Mark Reisig. Dabei geht es ebenso frech wie unterhaltsam zu, wie Johannes Weigand verspricht: "Mit den Darstellerinnen und Darstellern zündet Mark Reisig ein Feuerwerk der Pointen, bei dem die Zuschauer – in entspannter Foyeratmosphäre bei einem Glas Wein – voll auf ihre Kosten kommen."

Auf "Die fabelhafte Weltreise" geht es ab 15. April auf der Puppenbühne des Alten Theaters. Menschen ab 8 Jahren sind eingeladen, Frau Storch und ihre Kinder auf ihrem Weg in ihr Winterquartier nach Afrika zu begleiten – und dabei auch einiges über menschliche Eigenheiten zu erfahren. "Auf dem Weg in den Süden machen die Störche Halt in vielen verschiedenen Teilen unserer Erde – und nehmen die Zuschauer dabei mit auf eine Reise, die sie in im wahrsten Sinne fabelhafte Geschichten eintauchen lässt", verspricht der Generalintendant ein märchenhaftes Erlebnis.

Die Bühnenadaption der Kapitalismus-Farce "Zeit der Kannibalen" feiert am 21. April auf der Studio-bühne Premiere. Die zynisch-ironische Bestandsaufnahme von Johannes Naber widmet sich einer zerrütteten und verunsicherten Gesellschaft in Zeiten der Globalisierung. „Schon als Film der Überraschungserfolg der Berlinale 2014, besticht 'Zeit der Kannibalen' auch auf der Bühne als Kammerspiel mit pointierten Dialogen“, betont Johannes Weigand. "Ein hochaktueller Stoff, der als politisch subversive Kapitalismus-Farce mit sarkastischen und vergnüglichen Dialogen einen kritisch-süffisanten Abend hergibt!"

Als "Märchen-Satire-Zirkus-Oper" bezeichnet das Anhaltische Theater "Die Liebe zu den drei Orangen". Das 1921 in Chicago uraufgeführte Werk des damals 29-jährigen Sergej Prokofjew verbindet italienische Komödienlust und russische Groteske mit einer musikalischen Rasanz, die ihresgleichen sucht. "Ich freue mich, dass Hinrich Horstkotte Prokofjews Oper inszeniert und ausstattet. Dank der schnellen, farbigen und eingängigen Musik, der subtilen Orchestration und der witzig-grotesken Geschichte ist 'Die Liebe zu den drei Orangen' eines der Werke aus den 1920er Jahren, die gut im Repertoire geblieben sind – nun wird sie endlich zum ersten Mal in Dessau aufgeführt!"

Eine der beliebtesten Opern Russ-lands ist schließlich im Mai im Anhaltischen Theater zu erleben. "Fürst Igor" von Alexander Borodin erzählt eine farbenprächtige und klanggewaltige Geschichte aus dem mittelalterlichen Russland: Die kulturelle Begegnung zwischen den Russen und dem Steppenvolk der Polowetzer. "Auch neben berühmten Highlights wie den 'Polowetzer Tänzen' gibt es in Borodins Oper viel herrliche, romantische Musik zu hören“, so Johannes Weigand, "In Zusammenarbeit mit dem Opern-chor des Theater Magdeburgs führen wir das gewaltige Werk konzertant auf. Ein großes, russisches 'Gemälde', wie geschaffen für unser Ensemble und für KS Ulf Paulsen in der Titelrolle."

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