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November 2018
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LEO Tagestipp
Rohrbrücken im Chemiepark
Rohrbrücken im Chemiepark© André Kehrer

Die Chemie stimmt

Veröffentlicht am Dienstag, 28. August 2018

Die Region rund um Bitterfeld, zu DDR-Zeiten als schmutzigste Stadt Europas berüchtigt, hat sich zwischen Muldestausee und Goitzsche längst zu einem der schönsten Naherholungsgebiete Deutschlands entwickelt. Dabei ist eines unverändert geblieben: Lebensader der Stadt ist heute wie damals die chemische Industrie. Doch während früher Abgase und Abfallprodukte ungefiltert an Luft, Boden und Wasser abgegeben wurden, sorgen heutzutage modernste Produktionsverfahren und strenge Umweltauflagen im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen für innovative Erzeugnisse ohne gefährliche Nebenwirkungen. Am 22. September feiert die Chemieregion ihr 125-jähriges Bestehen mit der seltenen Chance, einen intensiven Blick hinter die Kulissen zu werfen.

Fünf Areale mit über 350 Unternehmen auf mehr als 1.200 Hektar – der Chemiepark Bitterfeld-Wolfen hat sich seit seiner Gründung 1997 zu einem deutschland- und europaweit begehrten Standort entwickelt, dessen Produkte auf der ganzen Welt gefragt sind. Kein sauberes Trinkwasser ohne Ionenaustauscher, keine modernen Flammschutzmittel ohne Phosphorverbindungen, kein schnelles Internet ohne hochreines synthetisches Quarzglas „Made in Bitterfeld-Wolfen“.

Rund 50 der im Chemiepark ansässigen Betriebe öffnen am 22. September von 10 bis 16 Uhr ihre Türen für alle Besucher. Auf Schienen, mit dem Bus und aus der Luft kann einer der größten und modernsten Chemiestandorte Europas erkundet werden, dessen Ursprünge in den 1893 durch Walter Rathenau, den späteren Außenminister der Weimarer Republik, errichteten Elektrochemischen Werken liegen. Der seltene Blick hinter sonst verschlossene Türen soll zeigen, welche vielfältigen Arbeitsplätze und beruflichen Perspektiven die chemische Industrie bietet. Jugendliche können sich über die verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten informieren und auch die Ausbildungsstätten selbst kennenlernen. Ein Bustransfer pendelt den gesamten Tag zwischen den fünf Arealen des Chemieparks. Natürlich stellen die Unternehmen auch ihre Produkte vor, geben Einblicke in den Arbeitsalltag und machen die Chemie bei Experimenten und Vorführungen spielerisch erlebbar. So bietet zum Beispiel „Miltitz Aromatics“, ein Hersteller von Duft- und Aromastoffen, Eindrücke für alle Sinne oder „Bayer Bitterfeld“ zeigt, wie ihr Erfolgsprodukt „Aspirin“ hier für beinahe den gesamten europäischen Markt gefertigt wird.

Erkunden lässt sich der Chemiepark ebenso bequem wie informativ bei den ca. einstündigen Rundfahrten mit Reisebussen oder den Zügen der Regiobahn Bitterfeld Berlin. Die Bahngesellschaft mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen unterhält ein rund 39 Kilometer langes Gleisnetz auf dem Gelände des Chemieparks. Erkundungen aus der Vogelperspektive sind bei einem Rundflug mit dem Helikopter oder für Schwindelfreie von der 20 Meter hohen Hebebühne aus möglich.

Der Tag der offenen Tür wird durch eine Vielzahl zusätzlicher Angebote umrahmt. Dazu gehören ein Sicherheitstraining mit Überschlagssimulator und eine Oldtimershow, ein Kinderprogramm, Aufführungen regionaler Tanz- und Sportvereine, Hüpfburgen, Segway-Parcours und vieles mehr. Auf dem zentralen Festplatz im Areal E sorgt ein ganztägiges Bühnenprogramm in Kooperation mit Radio SAW für Unterhaltung. Moderator Ted Stanetzsky präsentiert die Liveband „Mylestone“, die „radio SAW Dancer“, aber auch rund 25 Unternehmen, die mit ihren Ständen den Festplatz säumen werden. Und bei der „Firmen-Rallye“ können Besucher mit etwas Glück auch einen von zahlreichen Preisen mit nach Hause nehmen.

Eine Woche vorher und nur wenige Kilometer von Bitterfeld-Wolfen entfernt wird in Weißandt-Gölzau am 15. September übrigens ein etwas jüngeres Kapitel anhaltischer Industriegeschichte gefeiert. Dann jährt sich zum 90. Mal die Eröffnung des Schwelwerkes Gölzau, das Braunkohle aus dem parallel entstandenen Schacht „Kurt“ zu Benzin und Spezialölen verarbeitete. Mit dem Ende der Braunkohleförderung 1965 wurde Weißandt-Gölzau zum Sitz des größten Kunststoffproduzenten der DDR sowie metallverarbeitender Werkstätten. Heute ist die Gemeinde unter anderem der europaweit größte Produktionsstandort von Polyethylen-Kunststofffolie und Sitz weiterer Unternehmen aus Chemie und Sondermaschinenbau.

Mit der Gedenkveranstaltung am 15. September wollen die Initiatoren vom Ortschaftsrat und dem Verein „Kulturregion Anhalt & Bitterfeld“ an die Entwicklung ihres Ortes erinnern, vor allem aber an die Menschen, die diese möglich machten. Besonderen Stellenwert hat das ehrende Gedenken an die Bergleute, die bei der Arbeit im Schacht ums Leben kamen oder tödlich verletzt wurden. Im Verwaltungshof der Stadt Südliches Anhalt wird daher ein Erinnerungsensemble enthüllt, das aus einer Bergmannsskulptur, einer alten Lore aus dem Schacht „Kurt“ und einer Infotafel besteht. Das Mahnmal enthält die Namen aller Kumpel, die bis zurück ins Jahr 1942 ermittelt werden konnten. Eröffnet wird außerdem die Fotoausstellung „Menschen und ihr Werk“, die 90 Jahre Industriegeschichte durch die Menschen lebendig werden lässt, die sie geschrieben haben.

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