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Gustav Peter Wöhler BandLEO Glücksmoment
Gustav Peter Wöhler Band© Irene Zandel

"Auf der Bühne geschieht etwas mit mir"

Veröffentlicht am Montag, 23. September 2019

Der Name Gustav Peter Wöhler löst möglicherweise nur bei eingefleischten Filmfans einen „Aha-Effekt“ aus. Das dazugehörige Gesicht dürfte jedoch bei jedem für den Moment der Erkenntnis sorgen, immerhin war der Wahl-Hamburger in den letzten 30 Jahren in zahlreichen TV- und Kinorollen zu erleben. Ob eine Hauptrolle in Doris Dörries „Erleuchtung garantiert“, der Zwerg Cookie im 2. Teil von Ottos „7 Zwerge“ oder der Vater des Wirtschaftswunders, Ludwig Erhard – Wöhlers Wandelbarkeit ist verblüffend. Und doch ist das Spiel auf der Theaterbühne und vor der Kamera nur ein Teil seines Lebens. Seit 23 Jahren ist er auch musikalisch unterwegs.

Im Norden Deutschlands ist die „Gustav Peter Wöhler Band“ mit ihren sehr persönlichen Interpretationen unterschiedlichster Hits der Musikgeschichte längst Kult, ihr Jubiläum feierte sie stilecht in der Elbphilharmonie. Am 19. Oktober kommen Wöhler und Band nun zum Pre-Opening des Kurt Weill Festes 2020 ins Anhaltische Theater Dessau. Im LEO-Gespräch zeigt sich der Schauspieler und Sänger äußerst sympathisch, humorvoll und mit viel Selbstironie – Eigenschaften, die auch die Konzerte zu einem besonderen Erlebnis machen. Neben ihrer musikalischen Qualität, versteht sich.

Was bedeutet Ihnen das Musik machen und was unterscheidet den Auftritt auf der Konzertbühne von der Arbeit als Schauspieler?

GGustav Peter Wöhler: In erster Linie bedeutet das Musik machen für mich große Freude und Spaß! Die Musik bietet mir die Möglichkeit, meine persönliche Sicht auf Dinge des Lebens einfließen zu lassen. Das ist fast schon eine Art Katalysator – man kann alle Emotionen loswerden und fühlt sich danach völlig befreit. Das war früher schon so und ist es heute noch und ich liebe es! Beim Theater oder Film ist das ähnlich, aber da spiele ich ja eine Figur, in die zwar vieles von mir hineinspielt, aber es bleibt immer noch ein anderer Charakter. Auf der Konzertbühne bin ich immer einfach nur ich selbst.

Welchen Bezug haben Sie selbst zu Kurt Weill und seinen Werken und vielleicht sogar zu seiner Geburtsstadt Dessau?

Gustav Peter Wöhler: Mit Weill verbindet im Grunde jeder Schauspieler etwas, sei es, dass er oder sie schon einmal in der Dreigoschenoper aufgetreten ist oder das ein oder andere Lied von ihm interpretiert hat. Ich habe Weill immer sehr gemocht. Für mich war er mehr als der Hauskomponist von Brecht. Seine Songs, die er im Exil in Amerika und auch danach geschrieben hat, „Speak Low“ z.B., sind wahre Klassiker und werden bis heute immer wieder neu interpretiert. Zu Dessau kann ich nur wenig sagen, ich war erst zweimal kurz zu Besuch, aber es wird Zeit, sich die Stadt genauer anzusehen.

Beim Programm „Nils und die Bremer Stadtmusikanten“ waren Sie im März bereits im Rahmen des Kurt Weill Festes zu erleben. Nun kommen Sie mit Ihrem Konzert zurück. Nächster logischer Schritt wäre jetzt doch eigentlich ein eigenes Weill-Konzertprogramm für eines der kommenden Festivals. Ist da etwas geplant?

Gustav Peter Wöhler: Geplant ist es nicht, aber die Idee finde ich großartig! Dazu müsste man natürlich Menschen finden, die so ein Programm mit mir einstudieren und mich dabei begleiten. Da werde ich noch genauer drüber nachdenken. Aber ich werde trotzdem in naher Zukunft mit einem Weill-Abend zu erleben sein. Es ist vielleicht eine Woche her, da erhielt ich einen Anruf von meiner Schauspielkollegin Maria Hartmann. Sie fragte, ob ich Lust hätte, mit ihr einen Leseabend zu gestalten. Wir werden aus den Briefen von Kurt Weill und Lotte Lenja lesen, darauf bin ich sehr gespannt.

Ihr Konzert beim Pre-Opening ist selbst eine echte Vorpremiere, denn offiziell ist Ihr neues Programm „Love Is The Drug“ erst rund eine Woche später in Hamburg erstmals zu erleben. Wie wählen Sie die Titel aus, die Sie neu interpretieren?

Gustav Peter Wöhler: Die Songauswahl geschieht bei uns immer in einem demokratischen Vorgang. Da sitzen wir vier zusammen, jeder bringt Ideen und Vorlieben mit, die er zuhause auf den unzähligen Schallplatten gefunden hat, und dann wird abgestimmt. Ein Teil der Songs wird dann geprobt, geprobt und dann wird wieder entschieden, was bleibt und was nicht. Aus den letzten dreißig Songs wird dann ausgewählt, was mit auf Tour darf. Das ist ein sehr langer Prozess und manchmal wirklich anstrengend. Wenn man z.B. einen Titel vorschlägt und dann so entgeisterte Blicke erntet als hätte man gerade „Grützwurst!“ gesagt. Bei einem unserer neuen Songs „She drives me crazy“ von den Fine Young Cannibals waren zwei Bandmitglieder anfangs gar nicht begeistert. Aber beim Proben hatten wir soviel Spaß, dass er es am Ende doch ins Programm geschafft hat.

Warum wurde der „Roxy Music“-Song zum Programmtitel und welche Lieder werden im Oktober zum Beispiel noch zu erleben sein?

Gustav Peter Wöhler: Der Programmtitel war eine Art Schnellschuss. Die Veranstalter brauchen ja immer Titel, also sind wir unsere Liste an Songs durchgegangen. Und irgendwie hatten alle mit Liebe, Abhängigkeit und sogar süchtigem Verhalten zu tun. John Mayers „Love is a verb“ hätte da vielleicht auch als Titelsong funktioniert, aber „Love is the drug“ gefiel uns dann als Slogan besser. Neben „Love is a verb“ und „She drives me crazy“ ist natürlich der Titelsong zu erleben, allerdings in einer sehr speziellen Version von uns. David Bowie wird mit „Life on Mars?“ vertreten sein, die Beatles mit „Think for Yourself“ und „The Fool on the Hill“ und dann spielen wir eine Version von “Drive” von The Cars. Und natürlich noch einiges mehr!

Sie interagieren viel mit dem Publikum, auch der Humor kommt nicht zu kurz. In einem anderen Interview haben sie mal gesagt, dass Sie auf der Bühne zu einem „kleinen Wirbelwind“ würden. Haben die Auftritte auch einen gewissen „therapeutischen“ Effekt – für Publikum und Künstler?

Gustav Peter Wöhler: Ob die Konzerte eine therapeutische Wirkung auf das Publikum haben, kann ich Ihnen nicht sagen. Ich bin ja kein Therapeut. Auf den Künstler…. Naja, meine Arthrose in den Knien wird in Bewegung gehalten. Ich bin eben auch älter geworden und nicht mehr der Wirbelwind von früher. Aber auf der Bühne da geschieht schon etwas mit mir. Ich würde es aber eher als eine Art Ekstase beschreiben. Wenn ich da stehe und Musik mache, dann ist das wie ein Rausch. Ob die Bühne mich therapiert, kann ich nicht sagen. Aber ich bin danach sehr, sehr glücklich. Entleert und glücklich.

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