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Baufoschung: Badewanne aus einem Meisterhaus
Baufoschung: Badewanne aus einem Meisterhaus© Esther Hoyer

Triennale der Moderne

Veröffentlicht am Montag, 23. September 2019

Die drei Bauhausstädte Weimar, Dessau und Berlin luden 2013 erstmals zur „Triennale der Moderne“ ein. Ziel der gemeinsamen Initiative der UNESCO-Welterbestätten war es, die Avantgarde des 20. Jahrhunderts stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen. Im Jahr des großen Bauhausjubiläums scheint das nicht unbedingt nötig, selten war das Interesse am Bauhaus so groß wie heute. Erlebnis- und erkenntnisreiche Wochenenden sind bei der inzwischen dritten Ausgabe des Festivals bis Mitte Oktober aber trotzdem sicher.

Drei Bauhausstätten, die sich im 3-Jahres-Rhythmus zum dritten Mal an drei Herbstwochenenden besonderen Aspekten der Schule für Gestaltung widmen – die „Triennale“ wird ihrem Namen in diesem Jahr mehr als gerecht. Vom 26. bis 29. September beginnt der Veranstaltungsreigen in Weimar, am Wochenende vom 11. bis 13. Oktober endet er in Berlin. Das Wochenende dazwischen wird unter dem Titel „Material und Architektur“ durch die Stiftung Bauhaus Dessau und die Stadt Dessau-Roßlau ausgerichtet. Gleich zwei neue Ausstellungen im Bauhausgebäude widmen sich ab 4. Oktober Werkstoffen und Formensprache der Architektur der Moderne.

„Archäologie der Moderne“ heißt die Präsentation des Bauforschungsarchivs, das in einer weltweit einzigartigen Sammlung originale Bauteile, Materialien und Pläne der Bauhausbauten aufbewahrt und erforscht. Denn nicht nur die Häuser selbst waren Prototypen einer neuen Architektur, sondern auch mit Materialien und Baustoffen wurde experimentiert – mal mehr, mal weniger erfolgreich. Viel Wissen darüber ging über die Jahrzehnte verloren und wird nun wiederentdeckt.

Um ein Gemeinschaftsprojekt der Stiftung Bauhaus mit dem „The White City Center“ in Tel Aviv handelt es sich bei der Ausstellung „Transferumbau“. Im Fokus der künstlerischen, architektonischen und politischen Auseinandersetzung steht das umstrittene Ha’avara-Abkommen zwischen der „Jewish Agency“, der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland“ und Nazideutschland. Das Abkommen sollte deutsche Juden zum Auswandern nach Palästina motivieren, indem es ihnen ermöglichte, ihr Vermögen bei einer deutschen Transferbank einzuzahlen, mit dem anschließend deutsche Waren – vor allem Baumaterialien – für den Verkauf in Palästina eingekauft wurden. Der Importeur zahlte den Kaufbetrag auf ein Konto in Palästina ein, wo die Auswanderer nach ihrer Ankunft ihr Geld abzüglich Gebühren zurück erhielten. Über 50.000 deutsche Juden wanderten zwischen 1933 und 1938 im Rahmen des Abkommens aus, geschätzte 150 Millionen Reichsmark wurden transferiert. In Tel Aviv setzte ein regelrechter Bauboom ein. Viele der rund 4.000 Häuser der „Weißen Stadt“ wurden nicht nur durch ehemalige Bauhäusler geplant, sondern auch mit Materialien aus Deutschland errichtet. Einige dieser Baustoffe kehren nun zurück. Die Ausstellung widmet sich der Bewegung von Menschen, Materialien und Kulturen als zentralem Element moderner Architektur und deren Einfluss auf die Stadtentwicklung. Parallel zur Dessauer Präsentation wird sie auch in Tel Aviv zu sehen sein.

Das Dessauer Triennale-Wochenende wird gemeinsam mit den beiden Ausstellungen am 3. Oktober um 17 Uhr im Bauhaus eröffnet. An allen drei Veranstaltungstagen wird um 10 Uhr eine Radtour unter dem Titel „Architekturmoderne in Dessau“ angeboten. Jeweils um 14 Uhr können Kinder ab 8 Jahren im Bauhausgebäude zum „Bauhausforscher“ werden. Am Freitag um 18 Uhr berichtet Sharon Golan über „Die weiße Stadt“, um 19 Uhr wird in der Aula außerdem der Dokumentarfilm „The Flat – Die Wohnung“ gezeigt, der sich dem Transferabkommen auf sehr persönlicher Ebene widmet. Am Samstag ab 17 Uhr steht die Bauforschung im Zentrum von Vorträgen und Gesprächen, zwei Stunden später darf im Workshop auch selbst Hand angelegt werden. Am Sonntag ist um 14 Uhr die „Archäologie der Moderne“ in einer Kuratorenführung erlebbar.

Zum Abschluss des Dessauer Festivalbeitrags werden am Sonntag ab 15 Uhr dann noch vier Stumm-Kurzfilme gezeigt, die zwischen 1926 und 1928 unter anderem im Bauhaus, den Meisterhäusern und der im Bau befindlichen Siedlung Törten entstanden. Die Reihe „Wie wohnen wir gesund und wirtschaftlich?“ zeigt eindrucksvoll, wie prekär die Lebenssituation der einfachen Bevölkerung damals oft war – und wie revolutionär und zukunftsweisend die Architektur und die Ideen des Bauhauses vor über 90 Jahren tatsächlich gewesen sein müssen.

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