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Mai 2020
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LEO Mai 2020
LEO Tagestipp
Motiv: Schau rein!
Motiv: Schau rein!© Anhaltisches Theater

Raum für Kunst und Fantasie

Veröffentlicht am Montag, 06. April 2020

„Raum nehmen“ – ein Motto, das in der aktuellen Lage schnell den Gedanken an erzwungene oder freiwillige Isolation in den eigenen vier Wänden wecken könnte. Gemeint ist damit jedoch das genaue Gegenteil: Das Schaffen neuer und die Neubesetzung alter Räume genauso wie auch Raum für die Fantasie, für Visionen und neue Ansätze. Das Dessauer Theaterfestival „Schau rein!“ lädt vom 3. bis 7. Juni ein zum „Raum nehmen“.

Während diese Zeilen entstehen, Ende März 2020, steht das öffentliche Leben still. Niemand kann seriös einschätzen, ob sich diese Lage bis Anfang Juni so weit ändern wird, dass wieder so etwas wie Alltag oder Normalität Einzug hält. Doch die Hoffnung bleibt – und ein potenzielles Großereignis wie ein Theaterfestival ist ohne mehrmonatige Vorbereitungen weder leicht auf die Beine zu stellen noch leichtfertig abgesagt. Wenn Sie also die Gelegenheit dazu haben, schauen Sie rein bei „Schau rein!“. Und wenn es dann doch anders kommen sollte, lassen Sie Ihren Gedanken Raum, sich vorzustellen, wie schön es gewesen wäre. Über die Pläne für „Schau rein! – Raum nehmen“ sprach LEO mit der künstlerischen Leiterin des Festivals Karina Paula Kecsek.

Was ist die Idee hinter dem diesjährigen Festivalmotto?

Karina Paula Kecsek: Das Motto spielt mit verschiedenen Facetten: Zum einen ist alles in unserem Denken, von der Erinnerung bis zur Zukunftsfantasie, mit Orten und Räumen verbunden. Was wäre, wenn wir diese Räume frisch besetzen sowie neue Räume schaffen könnten? Schau rein! möchte dies nicht nur in den Köpfen, sondern auch ganz konkret versuchen: Dessau bietet so viel Freiraum, so viele Leerstellen, die direkt dazu einladen, genutzt zu werden. Insofern wird auch der städtische öffentliche Raum ein großes Thema während des Festivals sein. Schau rein! wird auf jeden Fall rausschauen: Ob auf grüner Wiese oder großem Platz - Überraschungen sind garantiert! Zum anderen bespielt das Festival mit dem Alten Theater, der großen Bühne des Anhaltischen Theaters und dem ehemaligen Haus des Reisens erstmalig drei verschiedene Spielstätten und bietet so durch die Vielfalt der Veranstaltungsorte den Raum für ein großes Spektrum ästhetischer Ansätze und künstlerischer Disziplinen.

Welche künstlerischen Disziplinen sind gemeint?

Karina Paula Kecsek: Für das erste Stockwerk des ehemaligen Haus des Reisens in der Kavalierstraße, vielen Dessauern noch als Amt für das Pass- und Meldewesen der DDR in Erinnerung, hat die Multimediakünstlerin Lili Weiss zum Beispiel eine temporäre Raum-Installation entwickelt, die sowohl Plattform für alle dort stattfindenden Begegnungen und Workshops, als auch Bühne für alle Theateraufführungen bilden wird. Das Raumkonzept, das in seiner poetischen Bildsprache an ein verlassenes Raumschiff mit fehlerhaftem Holodeck erinnern wird, lädt übrigens auch außerhalb der Veranstaltungen alle Interessierten ein, sich diesen Ort der Vergangenheit in einem ganz neuen Licht(konzept) anzusehen und so quasi zum Archäologen seiner eigenen Zeit zu werden. Hier bietet sich vielleicht jedem die Gelegenheit, diesen Raum anders zu besetzen oder aber ganz neue Geschichte(n) zu schreiben. Die Termine finden Sie in unserem Programmheft. In einer völlig anderen künstlerischen Disziplin beheimatet ist Tobias Wegner, an der staatlichen Hochschule für zeitgenössische Zirkuskünste ausgebildeter Akrobat, der mit seiner weltweit preisgekrönten Show „LEO“ am 8. Juni die große Bühne des Anhaltischen Theaters bespielen wird. Raum einmal anders: Was wäre, wenn sich die Gesetze der Schwerkraft plötzlich ändern würden und unsere Wahrnehmung der Realität auf die Probe stellen? Durch das geschickte Zusammenspiel seiner Live-Performance und der gleichzeitig laufenden Videoprojektion können sich die Zuschauer nicht mehr sicher sein, wo oben und wo unten ist. Das ist wirklich »Raum nehmen« in Höchstform! „LEO“ gastierte bereits sehr erfolgreich in New York, Melbourne, Hongkong, Moskau, Montréal und London und ich bin sehr froh, dass wir Tobias Wegner für Schau rein! gewinnen konnten.

Steht das gesamte Programm schon fest und wo kann ich mich informieren?

Karina Paula Kecsek: Aufgrund der von uns angestrebten Programmvielfalt haben wir bereits sehr früh begonnen, Künstlerinnen und Künstler einzuladen und neue (Raum)Konzepte für Workshops, Konzerte und Performances zu entwickeln. Besonders aufgrund der Bespielung des ersten Stockwerks im ehemaligen Haus des Reisens, in dem raumbedingt höchstens 40 Zuschauer Platz finden können, haben wir schon im Oktober begonnen, nach interessanten Formaten, Vorstellungen und Workshops zu suchen, um diesen speziellen Ort thematisch in Szene zu setzen. Ein breit gefächertes Rahmenprogramm mit musikalischen Open- Air-Veranstaltungen, Performances unter freiem Himmel, Flashmobs in der Stadt oder Kunstaktionen im Grünen wird das Festival mehrdimensional begleiten. Aber dazu möchte ich noch nicht alles verraten.

Eines verrate ich aber gern: die – sehr gelungene und informative – Webseite des Festivals, die so schön geworden ist, dass alle sie allein schon deswegenunbedingt anklicken müssen: www.anhaltisches-theater.de/schau_rein_20

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