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Zehntausende Menschen gingen auch in unserer Region im Herbst 1989 auf die Straße, um für Reformen und Demokratie zu demonstrieren. Allein in Dessau wurden am 3. November 1989 rund 50.000 Teilnehmer gezählt.
Zehntausende Menschen gingen auch in unserer Region im Herbst 1989 auf die Straße, um für Reformen und Demokratie zu demonstrieren. Allein in Dessau wurden am 3. November 1989 rund 50.000 Teilnehmer gezählt.© oto: © stadtarchiv dessau-rosslau

30 Jahre Deutsche Einheit

Veröffentlicht am Donnerstag, 24. September 2020

Nach über 40 Jahren wurde am 3. Oktober 1990 aus zwei Staaten und politischen Systemen wieder ein Deutschland. Drei Jahrzehnte später ist Willy Brandts berühmtes Zitat „Jetzt wächst wieder zusammen, was zusammengehört“ noch immer aktuell. Zwar bezeichnen 80 Prozent der Ost- und Westdeutschen die friedliche Revolution als Glücksfall und 9 von 10 Deutschen die Wiedervereinigung als zumindest teilweise gelungen. Doch die Forsa-Umfrage im Auftrag der Bundesregierung, auf der diese Angaben beruhen, zeigt auch, dass sich mehr als die Hälfte aller „Ossis“ immer noch als Bürger zweiter Klasse fühlt und zwei Drittel von ihnen die niedrigeren Löhne im Osten 30 Jahre nach der Wiedervereinigung als größte Ungerechtigkeit empfinden. Es ist also offensichtlich noch ein langer Weg, bis aus dem vereinigten Deutschland auch wirklich wieder ein einiges wird. Trotzdem ist das 30-jährige Jubiläum der Wiedervereinigung natürlich ein besonderer und denkwürdiger Anlass. Rauschende Feste sind im LEO-Land zwar nicht zu erwarten – woran allerdings eher ein gewisses Virus als mangelndes Interesse schuld sein dürfte –, aber erinnert, zurück- und vorausgeblickt und ja, auch ein wenig gefeiert, wird rund um den 3. Oktober trotzdem.

„Flanieren & Musizieren“ lautet am 3. Oktober das Motto in der Wittenberger Altstadt. Im Zentrum steht die Fotoausstellung „Kontraste“, die unter freiem Himmel und entlang der Bachläufe bestaunt werden kann. In großformatigen Fotocollagen lässt Künstler Rüdiger Eichhorn Ansichten von Orten und Gebäuden vor der Friedlichen Revolution mit aktuellen Aufnahmen verschmelzen. Die teils gewaltigen Veränderungen der Stadt werden dadurch sicht- und greifbar, zumal auch die originalen Gebäude erlaufen und erlebt werden können. Zwischen 15 und 18 Uhr wird der Spaziergang durch musikalische Intermezzi von Künstlern aus Wittenberg, Leipzig und Berlin begleitet. Auch am 4. Oktober ist der Bummel unter freiem Himmel noch möglich, anschließend wird die Ausstellung bis zum 15. Oktober im Shopping-Center „Arsenal“ zu sehen sein.

Einem der wichtigsten Akteure der Friedlichen Revolution wird am 3. Oktober um 16 Uhr in Dessau in unmittelbarer Nachbarschaft zur Friedensglocke ein Denkmal gesetzt. Denn ohne Michail Gorbatschows Politik von Glasnost und Perestroika hätten die Proteste ähnlich verheerend ausgehen können wie frühere Versuche der „Konterrevolution“. Initiiert durch den früheren Dessauer Oberbürgermeister Hans-Georg Otto fanden sich daher zahlreiche Spender zusammen und der bekannte Bildhauer Prof. Bernd Göbel aus Halle gestaltete ein Denkmal, das die Bedeutung Gorbatschows, aber auch die Macht des Volkes und demokratischer Selbstbestimmung, sichtbar machen soll. Zum Festakt auf dem Dessauer Marktplatz werden unter anderem Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff und Vertreter der russischen Botschaft erwartet. Eingeladen sind auch alle Spender, Stadträte sowie weitere Beteiligte. Auch die Öffentlichkeit ist herzlich willkommen – allerdings Corona-bedingt leider nur in einem sehr begrenzten Rahmen. Das Festgelände ist abgegrenzt, es gibt ausschließlich Sitzplätze und auch die nur, solange der Vorrat reicht. Die Karten gibt es seit Ende September kostenfrei bei der Touristinformation Dessau.

Schon am 1. Oktober präsentiert im Schloss Köthen das Theater „Weites Feld“ seine aktuelle Inszenierung „Als ich fortging“. Inspiriert von Interviews mit Menschen aus Brandenburg erzählt das Stück eine Geschichte über Erlebtes und Erfundenes, über Klischees, die Sehnsucht nach Heimat, den Aufbruch in die Ferne und darüber, was passiert, wenn einem das Land unter den Füßen ausgetauscht wird. „30 Jahre Deutsche Einheit – Köthen (Anhalt) zeigt sich“ heißt es dann am 3. Oktober ab 11 Uhr auf dem Marktplatz und den angrenzenden Straßen. Im Anschluss an den traditionellen ökumenischen Gottesdienst laden Stadt und Kirchengemeinde zu einem Einheitsfest ein, bei dem sich die Vereine, Verbände und Institutionen der Bachstadt präsentieren können. Zu zeigen, was sich seit der Wende getan und was die Stadt zu bieten hat ist ebenso Anliegen des Festes, wie die Demonstration von Vielfalt und Zusammenhalt in der aktuellen Zeit.

Die Stadt Gräfenhainichen beteiligt sich anlässlich des Jubiläums an der bundesweiten Baumpflanzaktion der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Gemeinsam mit Stadträten und Altbürgermeistern wird Bürger-meister Enrico Schilling drei Bäume in einem gleichseitigen Dreieck mit 10 Metern Seitenlänge pflanzen. Dabei steht eine Buche symbolisch für den Westen, eine Kiefer für den Osten und eine Eiche für das wiedervereinigte Deutschland. In fast 300 Städten ist ein solches wachsendes Denkmal bereits entstanden, das auch als Ort der Begegnung und des Austauschs dienen soll.

Wer es dann doch lieber zünftig und mit Volks-festcharakter hätte, sollte am 3. Oktober zwischen 12 und 24 Uhr bei der Ortsfeuerwehr Cobbelsdorf vorbeischauen. Hier wird die Deutsche Einheit mit einem Tag der offenen Tür gefeiert, mit Feldküche, Blasmusik, Fackelumzug, der Übergabe eines neuen Löschfahrzeugs und vielem mehr. Ein wenig Ausgelassenheit darf zur Feier des Tages und Anlasses trotz aller Abstands- und Hygieneregeln schließlich auch mal sein.

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