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September 2020
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Tänzerin
Tänzerin "Serpenti"© Serpenti

Ein Schloss voller Erlebnisse

Veröffentlicht am Mittwoch, 26. August 2020

Eine Buchpremiere, Erinnerungen an einen außergewöhnlichen Dichter, Musik, Varieté, Information und historische Ansichten – wer dachte, mit dem nahenden Ende der Freiluftsaison droht auch die Rückkehr der Langeweile, muss sich darum zumindest in Köthen keine Sorgen machen. Der Kalender im Veranstaltungszentrum Schloss Köthen ist gut und abwechslungsreich gefüllt. Bereits der Auftakt verspricht, äußerst spannend zu werden.

Der Engländer John Taylor war das, was man schon zu seinen Lebzeiten als Scharlatan bezeichnete. Mitte des 18. Jahrhunderts reiste der Chirurg durch Europa und rühmte sich seiner Kunst als Okulist oder Starstecher. Beim Starstich wurde die getrübte Linse eines am Grauen Star erkrankten Auges mit einem spitzen Instrument auf den Boden des Augapfels geschoben, um dadurch zumindest einen Teil des Augenlichtes zu retten. Praktiziert von der Antike bis ca. 1800 war diese Technik, professionell ausgeführt, durchaus erfolgversprechend. Taylor jedoch, der anfangs auf Marktplätzen praktizierte, verschwand nach der Behandlung und Empfang seiner Bezahlung nicht umsonst so schnell, wie er gekommen war. Dennoch gelang es ihm, das Vertrauen zahlreicher Berühmtheiten seiner Zeit zu erlangen und sogar zum Hofokulisten des britischen Königs Georg II. ernannt zu werden.

Der Dessauer Autor Andreas Hilger, der sich bevorzugt historischen Themen widmet und zuletzt unter anderem mit dem Fugger-Musical „Herz aus Gold“, dem Melanchthon-Oratorium und seinem Roman „Gläserne Zeit“ begeistern konnte, widmet John Taylor nun sein neuestes Werk. In „Ortolan“ lässt er den, inzwischen selbst erblindeten, Popstar seiner Zeit seine Lebensbeichte ablegen. Eine Geschichte vom Wagen und Scheitern, das hunderte Patienten das Augenlicht oder gar das Leben kostete, darunter auch Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel. Am 6. September feiert der Tatsachenroman mit einer Autorenlesung im Rahmen der Köthener Bachfesttage seine Premiere, musikalisch begleitet von Jörg Naumann am Saxophon und auf der Querflöte.

Ein anderer durchaus spezieller Charakter steht fünf Tage später im Zentrum eines Soloabends von Frank Roder. Auch Hans Bötticher ging es vor allem darum, Geld zu verdienen – allerdings nicht, indem er anderen Menschen Leid zufügte. Mehr als 40 Berufe, vom Schaufensterdekorateur bis zum Kommandanten eines Minensuchers, übte er aus. Berühmt wurde er jedoch als Schriftsteller und Dichter unter seinem Künstlernamen Joachim Ringelnatz. Schauspieler Frank Roder, in Sachsen groß geworden und in Hamburg lebend, kennt das Publikum in der Region unter anderem durch seine Auftritte in Wittenberger und Dessauer Sommertheater-Produktionen. Nach Luther und Melanchthon schlüpft er mit „Allerdings.Ringelnatz“ nun in die Rolle des lebenshungrigen Dichters, dem er auch optisch verblüffend nahe kommt.

Anlässlich des Tages der deutschen Sprache lädt die „Neue Fruchtbringende Gesellschaft“ zu drei Veranstaltungen im Schloss Köthen ein. Am 11. September um 19 Uhr wird mit Volker Hoffmann einer der bekanntesten Kinderchirurgen der DDR zu einer Lesung erwartet, tags darauf werden um 15 Uhr die Preisträger des bundesweiten Schreibwettbewerbs „Schöne deutsche Sprache“ geehrt. Mit Spannung erwartet wird zudem die Rede unter dem Titel „Neusprech“, für die Schriftsteller, Übersetzer und Essayist Christoph Hein am 12. September um 19 Uhr nach Köthen kommt. Der Eintritt ist frei, allerdings nur nach Anmeldung unter 03496 213981.

„Schlosstraum“ lautet das Motto am Abend des 19. September im Köthener Schlosspark. Erstmals erwachen zur blauen Stunde sonderbare Gestalten zu Leben und ein Schleier der Poesie legt sich über die grüne Insel inmitten der Stadt. Ein Boot mit besonderer Besatzung gleitet über den Schlossgraben, riesige Frösche staksen über die Wiese und treffen magische Naturgeister. Und auch ein Adeliger mischt sich unter das merkwürdige Völkchen: Le Comte, der durch diesen besonderen Abend führt. Zu den professionellen Sängern, Tänzern, Sprachkünstlern und Akrobaten gesellen sich auch Köthener Tänzer, um auf mehreren Bühnen im Schlosshof, Park und auf dem Wasser ihr Können zu zeigen. Besucher können sich ihr eigenes Programm gestalten, zum artistischen Finale treffen sich dann alle Zuschauer im äußeren Schlosshof.

Zur „Sonntagsmatinee“ wird im September gleich zwei Mal eingeladen. Am 13. September um 16 Uhr sind Jörg Naumann und Falk Röske zu Gast, um auf ein Vierteljahrhundert musikalischer Zusammenarbeit zurückzublicken. Und die sprengt alle Stil- und Genregrenzen, von der Mitgliedschaft in Bands wie „l’arc six“ oder „Free Elements“ bis zu ihren Auftritten als Duo. Zwei Wochen später lädt Christian Ratzel alle Interessierten dazu ein, Köthen von einer ganz neuen – oder eher alten – Seite kennenzulernen. In seiner Dia-Schau zeigt er seltene und auch noch nie gesehene Aufnahmen der Stadt, von den Anfängen der Fotografie bis zu den beginnenden 90er Jahren.

Karten für alle Veranstaltungen sind im Vorverkauf bei der Touristinformation im Schloss Köthen erhältlich.

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