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Meisterhaus Haus Muche/Schlemmer (1925–26), Architekt Walter Gropius
Meisterhaus Haus Muche/Schlemmer (1925–26), Architekt Walter Gropius© Yvonne Tenschert, 2011, Stiftung Bauhaus Dessau

Neuentdeckung der Bauhausstadt

Veröffentlicht am Montag, 25. Mrz 2019

Deutschland feiert sein Bauhauserbe. Im Jahr 100 nach der Gründung der wegweisenden und stilprägenden Hochschule für Gestaltung in Weimar entdecken Städte im gesamten Bundesgebiet ihre Verbindung zu den Meistern und Schülern des Bauhauses neu. Die Geschichte der Schule begann 1919 in der thüringischen Hauptstadt, 14 Jahre später endete sie in Berlin. Seine Blütezeit erlebte das Bauhaus jedoch in Dessau, das bis heute über so viele Originalbauten der Bauhauszeit verfügt wie kein anderer Ort weltweit. Ab Mitte April können sie neu kuratiert erkundet werden.

„Bauhaus Bauten Dessau: Originale neu erzählt“ ist der Titel der Tour, die im Jubiläumsjahr erstmals am 18. April zu erleben ist. Und die sich nicht nur an Touristen aus Nah und Fern richtet, sondern auch an alle Einheimischen, die das einmalige Erbe ihrer Heimatstadt von vielleicht noch unbekannten Seiten kennenlernen wollen.

Was das Bauhaus in seiner Dessauer Zeit von 1925 bis 1932 im Stadtgebiet errichtete, waren nicht weniger als Prototypen für die Stadt von morgen. Wie die Entwürfe aus ihren Werkstätten sollte auch ihre Architektur durch moderne Gestaltung die Lebensverhältnisse der Menschen verändern und neue Formen des Lebens und Wohnens geschaffen werden. Beispielhaft dafür steht das Ateliergebäude des Bauhauses. Auch als „Prellerhaus“ bekannt, bot es als Kollektivwohnhaus 28 Wohnstudios als Wohn- und Arbeitsstätte für Studenten und Jungmeister. Einbauschränke und Stahlmöbel, Teeküchen auf jeder Etage, eine Kantine im Erdgeschoss, Bäder im Sockelgeschoss, eine Dachterrasse und Balkone stellten einen vor einem Jahrhundert nahezu unbekannten Luxus dar. Aus Sicht des Bauhauses jedoch sollten sie Alltag werden.

Die Geschichte der Dessauer Bauhausarchitektur ist jedoch auch eine Geschichte von Umzügen, Schließung, Vertreibung, Renovierung, Umformung, Neugründung und kulturellem Erbe. Die Gebäude sind Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts, durchliefen Phasen zwischen Demokratie und Diktatur, zwischen Krieg, Zerstörung und Wiederaufbau. „Bauhaus Bauten Dessau: Originale neu erzählt“ lädt dazu ein, die Musterhäuser der Moderne und Prototypen des modernen Bauens neu zu entdecken. Vom Norden der Stadt mit dem „Kornhaus“ bis zur Siedlung Dessau-Törten im Süden berichtet die Tour über die Architektur, die Nutzung der Häuser durch ihre Bewohner und die bewegte Geschichte der Gebäude. Erstmals wird diese Geschichte in den insgesamt zwölf zugänglichen Bauhausorten zusammenhängend erzählt, die Gebäude selbst werden zu Ausstellungsobjekten.

Mit der Neueröffnung der Dessauer Bauhausbauten öffnen sich auch Räumlichkeiten für Besucher, die bisher nicht oder nur eingeschränkt zugänglich waren. Das betrifft auch das Bauhausgebäude selbst: Das erste Obergeschoss des Werkstattflügels konnte dank des neuen Bauhausmuseums wieder in seinen Urzustand gebracht werden, Klimaanlagen und zusätzliche Wände für Ausstellungen sind verschwunden. Aber das sehen Sie sich am besten selbst einmal an.

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