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"Harzfein"-EP Nr. 7© LEO

Frequenzen in weißem Vinyl

Veröffentlicht am Donnerstag, 27. Februar 2020

Sieben Jahre nach der letzten gemeinsamen Veröffentlichung hat das Dessauer Künstler-Netzwerk und gleichnamige Musiklabel „Harzfein“ Ende Februar seine neue Electro-EP „Phasen und Frequenzen“ veröffentlicht. Seine Wurzeln hat „Harzfein“ in der ostdeutschen Hip-Hop- und Breakdance-Szene der 1980er Jahre. Seit dem ersten Schallplatten-Release 1994 sind fünf weitere Alben in lockerem Abstand und unterschiedlicher Besetzung erschienen. Eines aber hat sich auch mit der jetzigen Nummer 7 nicht geändert: Die Künstler wollen vor allem gemeinsam Spaß haben, sich musikalisch frei ausleben und das produzieren, was sie auch selbst am liebsten hören.

Dass Dessau zu DDR-Zeiten eine Hochburg des Breakdance war – damals natürlich betont steif „akrobatischer Schautanz“ genannt –, wissen viele, die nicht selbst dabei waren, spätestens seit der preisgekrönten Dokumentation „Here we come“. Hauptprotagonist war dort unter anderem Mike Buchmayer-Zacke, der als DJ „Magic Mayer“ in seiner Heimatstadt und weit darüber hinaus fast schon Legendenstatus hat. Dem passionierten Breakdancer und seinen Mitstreitern boten sich mit der Wende völlig neue Möglichkeiten, die begeistert genutzt wurden: „Plötzlich konnte man professionelle Plattenspieler und Battlemixer kaufen und wir wollten unseren Vorbildern wie Grandmaster Flash nacheifern. So fing das mit dem DJ-ing an. Und irgendwann möchte man einfach selbst Songs produzieren. Damals war noch viel Hardware wie Drumcomputer, Sampler und Synthesizer im Einsatz. Heute vereinfachen moderne Computer das alles.“

Trotz der komfortableren Technik entsteht der „Harzfein“-Sound natürlich vor allem durch die kreative Energie seiner Macher. Dass diese es nicht besonders eilig hatten, zeigt allein schon der zeitliche Abstand zum letzten Release. Sie machten das alles nur aus Spaß an der Sache und neben ihren Vollzeitjobs, betont „Magic Mayer“. Profit spiele keine Rolle, was schon allein die kleine Auflage der Vinyl-EP von wenigen 100 Stück zeige. Und auch das EP-Format selbst mit nur sechs offiziellen Titeln war eine bewusste Entscheidung: „Genug Material für ein Album wäre auf jeden Fall da. Aber nö, so ist es cool.“

Auf dem Cover von „Phasen und Frequenzen“, das vom Dessauer Designer Alexander Lech gestaltet wurde, finden sich neben „Magic Mayer“ auch Thomas „Magnetic Bass Force“ Fahlteich, Christoph „Chrisbert“ Sikorski und Steffen „Selecta Ras“ Sülzle. Alle vier haben natürlich auch zu den Tracks der EP beigetragen, gemeinsam mit einem fünften „Harzfeiner“. „Vor Jahren entstand der Text zu „Phase der Frequenzen“, den Jürgen „DJ Crest“ Künzel aufgenommen hat und der seitdem in der Festplatte versank. „Magnetic Bass Force“ hat daraus nun ein richtiges Brett gemacht, das dann doch irgendwie auf Vinyl verewigt werden musste. Alle unsere Tracks sind – unserer Meinung nach – richtige Bretter. Sie könnten nicht unterschiedlicher sein und sind so in der Electroszene noch nicht vorgekommen“, gibt sich das Quartett selbstbewusst.

Ihr Stil sei schon speziell, betonen die Künstler, die eine enge und oft jahrzehntelange Freundschaft verbindet. Dass er nicht nur bei ihnen selbst ankommt, hoffen sie natürlich trotzdem. Neben der Vinylfassung ist „Phasen und Frequenzen“ auch auf Kassette sowie digital auf allen gängigen Streaming- und Downloadportalen erhältlich. Wie es nun musikalisch bei „Harzfein“ weitergeht, entscheiden die, nicht mehr ganz jugendlichen, Jungs aus dem Bauch heraus – wie immer. Und wann gibt es die nächste Platte? „Wenn wir Bock drauf haben!“

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